Weil heute Welttag der Poesie ist.

21. März 2013  Gedanken zum Moment

Am 10. 3. 2013 Konnte man im Spiegel in der Onlineversion bedrohliche Gedanken von Jean-Claude Juncker lesen. Hier kurz zitiert:

In der Debatte um die Zukunft der Währungsunion warnte Juncker im SPIEGEL davor, dass sich die Konflikte in Europa gefährlich zuspitzen könnten. „Wer glaubt, dass sich die ewige Frage von Krieg und Frieden in Europa nie mehr stellt, könnte sich gewaltig irren. Die Dämonen sind nicht weg, sie schlafen nur.“ Er sehe auffällige Parallelen zum Jahr 1913, als viele dachten, es werde in Europa nie mehr Krieg geben. „Mich frappiert die Erkenntnis, wie sehr die europäischen Verhältnisse im Jahr 2013 denen von vor 100 Jahren ähneln.“ Erste Anzeichen sieht Juncker in den Wahlkämpfen in Griechenland und Italien. „Plötzlich kamen Ressentiments hoch, von denen man dachte, sie seien definitiv abgelegt.

Manche im Netz halten es für eine ehrliche Besorgnis, andere meinen darin eine versteckte Warnung der Banker zu sehen. Das sei für mich dahingestellt. Juncker ist der erste namhafte Politiker gewesen, der dieses düstere Zukunftsbild offen angesprochen hat. Und sind nicht die nötigen Weichen gestellt? Ein rohes Wir-Verständnis im Inland, durch Schwarzrotgold-Fahnen und Griechenlandhetze bei „Bild“ genährt, und eine breiter werdende Schicht, die die Remilitarisierung des Landes akzeptiert und bereit ist, für Geld oder Ehre in fernen Ländern Menschen zu erschießen.

Als Dresdner, der mit Erich Kästner verbunden ist und in dessen Stadt einer der aktuellen Hauptleute, der Kriegsminister de Maizière wohnt, fällt mir zum heutigen Welttag der Poesie nur dieses Gedicht von ein:

 

Fantasie von übermorgen

Und als der nächste Krieg begann,
da sagten die Frauen: Nein!
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie, in jedem Land,
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus.

Sie legten jeden übers Knie,
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei.
Und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab’s Geschrei,
und nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus,
zum Bruder und Sohn und Mann,
und sagten ihnen, der Krieg sei aus!
Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an….

(Erich Kästner, 1934)

 


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