Beiträge vom Juli 2013

31. 07. 2013

31. Juli 2013  Tagebuch

Der Morgen brachte ein paar Emails über die bevorstehende Plakatierung der Stadt. Ein wenig fühle ich mich so, als ob wir zu Dritt mit einem Leiterwagen die gesamte Stadt plakatieren wollen. Aber immerhin haben die Genossinnen und Genossen, die sich darüber per Mail austauschen, schon mal Pläne. Und ich hab mich ein wenig in die Diskussion eingemischt, verantwortungsvoll. Im Briefkasten war dann auch die Einladung zu unserem Wahlauftakt, am 16. 08. 2013, ich hoffe ja viele von Euch dort zu sehen.

In der Geschäftsstelle dann eine kleine Überraschung: Mein Plakat. Als Dresdner PDS und auch als LINKE haben wir nie viel von Kopfplakaten gehalten, denn die Menschen wählen uns doch wegen unserer Politik und nicht wegen unserer Nase. Aber nun gibts ein hübsches Plakat mit mir drauf. Mit Schlips! Und neben Katja Kipping, damit die Leute sofort merken, wohin ich gehöre. Das war übrigens auch mein erstes professionelles politisches Fotoshooting, sonst gabs nur mal einige Fotografentermine mit Freundin und Kind.

Ein wenig plagt mich den Tag über das schlechte Gewissen: Eine Zeitung aus dem Landkreis Bautzen wollte näheres über meinen Kühlschrankinhalt und dergleichen wissen, um mich (und vermutlich auch die anderen Kandidaten) vorzustellen. Ein Albtraum eigentlich, denn mal ehrlich: will ich wegen der Vorliebe für Rinderzunge und Kräuterbaguettes zum Aufbacken gewählt werden? Und ich hab diese Mail auch noch verbummelt. Vielleicht finde ich sie morgen, mal sehen.

Am Abend dann schüttet es noch etwa 100 Seiten Kandidateninformationen in mein Mailfach. Ich bin mir nicht sicher, wann ich das so bearbeiten kann, das es einen Effekt hat und beantworte lieber eine eigentümliche Anfrage auf abgeordnetenwatch.de:

Frage:

Sehr geehrter Herr Kieߟling,

wie sehen Sie Ihre Chancen, als Direktkandidat gewählt zu werden?
Gehen Sie davon aus, hinter dem Kandidaten der CDU die zweitmeiste
Stimmanzahl zu erreichen?

Konrad Zimare
Antwort:

Sehr geehrter Herr Zimare,

seit der Wende hat die CDU den Wahlkreis, in dem ich antrete, direkt
gewonnen. Sie können dies ohne Mühe im Internet verfolgen, ich
empfehle eine Suche nach
"Bundestagswahlkreis Dresden II - Bautzen II" bei Wikipedia.
Eigentlich wäre da endlich ein Wechsel fällig, zumal der jetzige
Wahlkreisabgeordnete länger amtiert als Erich Honecker und deutliche
Zeichen der Amtsmüdigkeit zeigt.
Dennoch bin ich Realist: Diesen Wahlkreis als Kandidat der LINKEN zu
gewinnen wäre ein außerordentliches Ereignis. Übrigens gilt das, wie
sie sicher wissen, für fast alle Wahlkreise in der Bundesrepublik.

Wenn Sie mit mir darin übereinstimmen, dass Herr Vaatz sich anderen
Aufgaben zuwenden sollte, würde ich mich über Ihre Stimme freuen.
Und noch mehr darüber, wenn Sie recht viele Menschen in ihrer Umgebung
überzeugen, mich zu wählen. Die Verhältnisse im Wahlkreis sind nun
einmal so: Wer Vaatz nicht mehr will und eine Veränderung für
erreichbar hält muß Kießling wählen. Und ganz nebenbei gäbe es dann
einen Wahlkreisabgeordneten, der eine zu 100% soziale Politik machen
würde.

Mit freundlichen Grüßen

Tilo Kießling

 

 

 

 

30. 07. 2013

30. Juli 2013  Tagebuch

Ein wenig habe ich schon gegrübelt, was mein Wahlblog hier bringen kann. Denn klar ist doch: alle grundsätzlichen Dinge werden im Wahlprogramm geklärt, zu den tagesaktuellen Fragen äußern sich unsere Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker, das ist als Newsfeed in diese Seite eingebunden. Was also bleibt für einen Direktkandidaten in einem so heterogenen Wahlkreis wie dem WK 160 also zu tun, wenn man sich nicht in ewiger Redundanz  üben möchte?

Meine jetzige Vorstellung kommt einem Tagebuch nahe. Ich erzähle Ihnen und Euch einfach, was mir so in den Tagen bis zur Wahl widerfährt, im Wesentlichen will ich das auch auf den Aspekt der Vorbereitung dieser Bundestagswahl beschränken. Natürlich durchmischt sich hier vieles, denn ich bin ja auch halber Kreisvorsitzender und Stadtratsmitglied in Dresden, und die Politik ist nicht so trennscharf in solchen Fragen.

Also dann los:

Eigentlich warte ich schon seit meiner Aufstellung als Direktkandidat auf so etwas wie einen Schub an Terminen, aber bisher hielt sich das Interesse in Grenzen. Drei Diskussionsrunden durfte ich bereits besuchen, einmal die Gewerkschaftssenioren, einmal den Runden Tisch der Vorruheständler, Senioren und Körperbehinderten und einmal einen Akademiker-Ruhestandsverband. Zudem wollten einige thematische Webseiten unbedingt meine Meinung über ihr Thema wissen, heute war es diese hier. Ich bin gespannt, ob irgendeiner der Kommentatoren dort mal schreibt, er finde die aufgestellten Forderungen falsch. Wenn ihr da was lest, gebt mir Bescheid.

Zudem habe ich heute einen Brief geöffnet, keine Ahnung, ob die mich als Bundestagskandidaten meinen oder als Stadtrat, weil sie in die Stadtratsfraktionsgeschäftsstelle adressiert waren, aber das bedeutet nicht viel.  Er war vom Projekt Lebensmittelklarheit, informierte mich über deren Ziele mit einem kleinen Flyer und einem QR-Code. Die Seite dahinter les ich mal wenn mir langweilig ist, die eigentliche Webadresse ist nicht aufgedruckt. Auch wollen sie offenbar nichts direktes von mir, also kommt das erst mal zu den Akten.

Ein wenig  neugierig bin ich noch über die Ursachen einer Äußerung im ZDF-Sommerinterview mit Gregor Gysi. Dort erwähnte er ein Anreizmodell bei Hartz IV, also statt der Sanktionen für Menschen, die dem System unwillig gegenüberstehen Anreize für diejenigen, die sich mühen. Da ich vor einiger Zeit mit meiner Bundesvorsitzenden über so etwas ähnliches sprach, in meiner Vorstellung hätte man die „Eingliederungsleistungen“ des Jobcenters, also das euphemistische Fördern und Fordern, einfach abbestellen können, interessiert mich ja nun brennend, wer da auf eine ähnliche Idee gekommen ist.