Beiträge vom August 2013

26. 08. 2013

27. August 2013  Tagebuch

Ein anstrengend-schönes Wochenende beim Hechtfest, eine wunderbare Grundeinkommensveranstaltung, ein Besuch griechischer Genossinnen und Genossen und einige Fragen. Also: los gehts!

Auf dem Hechtfest hatte die Linksjugend einen Stand aufgebaut und ganz hervorragend organisiert. Rund um die Uhr waren Helferinnen und Helfer anwesend, es war ausreichend Material da, der zugeteilte Platz war wunderbar, die Popcornmaschine, deren spezifischer Zweck für einen Infostand sich mir bisher kaum erschloss, konnte hier ihre ganze Stärke ausspielen. Viele Menschen kamen unbefangen an den Stand heran, ein großer Teil wegen unserer Petition gegen die Hafencity, andere wegen des Bürgerbegehrens für kommunale Wohnungen, und so viele nette Gespräche hatte ich schon lange nicht mehr. Mein Gute-Laune-Vorrat ist nun hoffentlich wieder aufgefüllt und reicht bis zur Wahl.

Gestern Abend fand im Kabarett „Breschke und Schuch“ die lange vorbereitete Veranstaltung „Kulturschock Grundeinkommen“ statt. Das Kabarett war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Notbestuhlung wurde hervorgezaubert, der Hausherr selbst bestritt den ersten Teil der Veranstaltung, und ich habe etwas erlebt, was ich lange nicht mehr gesehen habe: die Leute im Publikum fingen an miteinander zu diskutieren. Ich weiß nicht, wie viele davon schon bisher zu Gruppen gehörten, die sich der Grundeinkommensthematik widmeten. Aber eine Erkenntnis bleibt: als LINKE sollten wir weiter dran bleiben und Foren für solche Diskussionen bieten. Zu kontroversen Themen, an spannenden Orten.

Für ein paar Tage sind im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Genossinnen und Genossen aus Griechenland zu Besuch. Sie sind, trotz oder vielleicht auch wegen der Lage in ihrem Land an der deutschen Kommunalpolitik interessiert. Sie versuchen zu verstehen, wie die Kommunalpolitik in einem Land funktioniert, durch dessen Einwirkung ihre Möglichkeiten kommunaler Politik fast vollständig zerstört wurden. Denn die Folgen der Sparpolitik sind auch (und vielleicht sogar vorrangig) in der Vernichtung der staatlichen Strukturen zu erleben, die sich einer Sparpolitik entgegenstellen würden. Und das sind naturgemäß die Kommunen und ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter.

Ein Genosse trug gestern ein Problem an mich heran: Angesichts des oben eingefügten Bildes gebe es in seinem Freundeskreis die Auffassung, der Wahlkampf müsse mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. Aber klar, ich gebe ihm Recht. Für die, die den Kontakt zur LINKEN nur und ausschließlich über meinen Wahlblog und meine Facebookseite haben sei gesagt: Es gibt da noch andere Möglichkeiten. Ca. 100.000 Seiten, in denen sinnvollerweise (Die Seite der Bundespartei zum Beispiel) oder in mehr oder weniger schlechter Wiederholung unsere Themen in aller Ernsthaftigkeit dargestellt werden. Ich jedenfalls will gern sagen, was ich denke, aber nicht, wenn es schon gut und vollständig von anderen gesagt wurde. Dann fängt man nämlich schnell an die Menschen zu nerven. Und ich will gern tun was ich sage. Bei meinen begrenzten persönlichen Kräften sollte ich also auch nicht zu viel sagen.

22.08.2013

22. August 2013  Tagebuch

So. Nun schaue ich also in der ganzen Stadt auf die Bürgerinnen und Bürger herab. Ich bin auch ganz froh, keinen so albernen Slogan zu haben wie mein ansonsten natürlich ausserordentlich verehrter Kollege Vaatz von der CDU. Bei dem steht „Sagt, was er denkt. Tut, was er sagt!“ auf den Großflächenplakaten. Und die Vorbeikommenden, sofern sie Lebenszeit für das Studium dieser Selbstbeschreibung aufwenden, denken unwillkürlich: „Aha. Ähm… nichts?“

Alle, von denen bekannt ist, dass sie mich kennen, berichten über Reaktionen. Der hat doch sonst keinen Schlips, sagt man ihnen. Nein, natürlich nicht! Meine A-Garnitur ziehe ich ja sonst nur an, wenn ich die Bürgerlichen in ihrem Revier necken kann. Und das ist nicht sehr oft.

Ansonsten wird mein Terminkalender nun deutlich dichter. Es ist kaum noch möglich, so locker nebenbei ein Tagebuch zu führen. Nun, wenn man für den Wahlkampf vollkommen freigestellt wäre und dazu noch einen gut organisierten Stab eifriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte, das wäre grandios. Aber es gibt ja eben noch die Alltagsarbeit, und alle, die gesund und munter und mit freier Zeit gesegnet sind, widmen ihre Kraft im Moment dem aufhängen, wieder aufhängen, richten und reparieren von Plakaten.

Ein wenig freue ich mich auf den Kandidatentalk von Dresden-Fernsehen. Der wird mit allen Kandidatinnen und Kandidaten jeweils einzeln aufgezeichnet. Ein indirekter Vergleich sozusagen. Und ich freue mich, mindestens genauso sehr, auf den Besuch im Mehrgenerationenzentrum Radeberg, denn diese Einladung klingt nach interessierten Menschen und freundlichen Gesprächen.

Sehr ärgerlich war eine Mitteilung einer Bürgerin heute morgen in der Geschäftsstelle des Stadtverbandes: Neben frisch aufgehängten Naziplakaten lagen über 30 unserer Plakate zerstört auf dem Erdboden. Natürlich haben wir Strafanzeige erstattet. Und es ist auch klar, dass wir im besonderen Fokus der Nazis stehen: Ihre Politik will die Schwachen in der Gesellschaft aufeinander hetzen, unsere Politik will die Schwachen stärken. Haben wir Erfolg, wird der Nazi von der politischen Bildfläche verschwinden. Aber trotzdem ist es unangenehm, wenn die Mühe der Plakatierteams am Ende verschwendet war.

Was etwas nervt sind die Superangebote, man könne sich jetzt endlich endlich endlich auf einem ganz tollen Internetportal mit klasse Möglichkeiten als Kandidat darstellen und die Wählerinnen und Wähler könnten sich dann mit Hilfe genau dieses Portals nun aber eine ganz genaue Meinung bilden, wen sie wählen würden. Aktuell war es dieses hier. Warum bitte können alle diese Menschen nicht drei Monate eher vorsprechen, damit die Menschen auch genügend Zeit haben, sich dort umzusehen?

Da muss man halt durch, als Kandidat, werden Sie als geneigte Leserinnen und Leser sagen. Aber ich finde alle diese scheinbar demokratischen Hinweisdienstleistungen, trotzdem sie ja gut gemeint sein mögen, etwas verdummend. Denn die Politik besteht ja in der Beeinflussung der Entwicklung unserer Gesellschaft in eine Richtung, die der eigenen Wählerschaft zu Gute kommt. Dabei muss die Meinung einzelner Menschen zu konkreten Fragestellungen mit der des Vertreters oder der Vertreterin durchaus nicht übereinstimmen: Parteien und ihre Protagonisten haben ja auch eine politische Bildungsfunktion und sollen über die von ihnen erarbeiteten Haltungen zu konkreten Fragen auch auf Bürgerinnen und Bürger einwirken. Die Schlussfolgerung „Weil die Partei meines Vertrauens zu diesem Problem eine bestimmte Haltung hat denke ich darüber nach und übernehme diese Haltung“ ist mindestens genau so notwendig und richtig wie die Schlussfolgerung „Weil diese Partei zu diesem Problem eine andere Haltung hat als ich wähle ich sie nicht.“ Parteien sind ja keine Firmen im Wettbewerb, die die wohlschmeckendsten und gefälligsten Lösungsvorschläge zum Verkauf auf dem Markt anbieten, auch wenn die neoliberale entdemokratisierende Wettbewerbsideologie dass nahe legt.

 

16. 08. 2013

17. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Es wäre wohl nicht angemessen gewesen, am Sterbetag Lothar Biskys hier im Wahlblog einen Eintrag zu veröffentlichen. Unser Wahlkampfgeschehen hat, mitfühlend, auch eine kleine Pause gemacht. Wir haben uns darauf beschränkt, noch einmal telefonisch mit einem großen Teil der Dresdner Genossinnen und Genossen Kontakt aufzunehmen und die heute ab Mitternacht beginnenden Plakatierungen vorzubereiten.

Das der Wahlkampf nun aber doch zunimmt kann man an den Schwindeleien erkennen, die beginnen. Die erste ist mir aufgefallen, als die Dresdner Neuesten Nachrichten für diesen Artikel anriefen. Die so: „Wie viele Plakate wollen sie aufhängen?“ Ich so: „Was haben die anderen Parteien gesagt?“ Die dann so: “ Die CDU 1000, die SPD 1100 je Wahlkreis, die Grünen 800…“. Ich: jetzt habe ich die Wahl, entweder ich lüge genauso schamlos oder ich mache eine allgemeine Aussage über unsere Pläne.“ das Ergebnis kann man ja lesen.

Schlimmer als diese kleine Schwindelei der Parteien über die Plakatezahlen, die ja von der Angst getrieben ist, zu hohe Zahlen kämen schlecht an, war die verlogene Petzerei des Dresdner FDP-Vorsitzenden Lohmeyer. Die schlug sich in allen Lokalzeitungen nieder, online hier auch bei der DNN. In seinem Ärger darüber, dass unsere (natürlich genehmigten) Großflächenplakate bereits stehen, hat Lohmeyer uns Regelverstöße vorgeworfen. Ich kann nur sagen: Bei uns ist keine Aufforderung der Stadt angekommen, irgendetwas zu entfernen. Aber Lohmeyer weiss: wirft man mit Dreck bleibt immer etwas hängen.

Pünktlich um Mitternacht haben hingegen unsere Teams angefangen in der Stadt Plakate anzubringen. An einem hab ich mich auch versucht, das Bild sieht man oben. Es ist das erste mal, dass mein Portrait in der Stadt und im Wahlkreis so häufig und lange zu sehen ist. Bestimmt werde ich jetzt ganz berühmt und alle Menschen mögen mich. Das Plakat auf dem Bild haben wir gegenüber in Sichtweite des Frida-Konsums auf der Tolkewitzer Straße angebracht. Dort geh ich immer mit Hans, meinem dreijährigen Sohn, nach dem Kindergarten einkaufen. Bananensaft, Obst, Leckereien für den Abend. Sicher bekomme ich da jetzt immer besondere Hinweise auf neue und spannende Produkte. Aber in punkto Prominenz konkurriert man in Blasewitz ja mit gefühlten 1000 anderen.

Der MDR hatte gestern das Bedürfnis, Katja Kipping am Infostand und beim Besuch der Ausstellung „MS Reichtum“ zu beobachten. Zur Vervollkommnung bin ich dort auch hinbeordert worden. Der Stand wurde über einer blassen Kreideschrift aufgebaut, von den Jusos stammend, die den Weg zur Gerechtigkeit wies. Bis zur Wahl haben Regen und Wind dies sicher beseitigt.

In der Ausstellung selbst war ich ja bereits und konnte so hilfreich auf besonders wertvolle Ausstellungsstücke verweisen. Wir trafen dort, zufällig, auf Dirk Syndram, der eben durch die Ausstellung geführt wurde.

Die Flut der Wahlprüfsteine nimmt gerade zu, vor allem habe ich die Übersicht verloren, weil sich einige garnicht bis zu meinem Posteingang verirren, sondern in der Landesgeschäftsstelle auflaufen und dann von dort mir allerlei Ausfüllhinweisen (Hat derunder schon beantwortet, ändert bitte nur Antwort 5) weitergeleitet werden. Die Sonntagsmuse wird mir helfen, dieses Problem zu lösen.

 

 

 

12. 08. 2013

13. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Immer mehr Menschen interessieren sich für mich. Heute war es meine Landesgeschäftsstelle, die mir mit der dringenden Bitte, auch die Erledigung zurückzumelden (Vertrauen ist gut, Kontrolle beim potentiellen Abgeordneten Kießling aber auch sinnvoll) diese Fragen zuschickte. Geneigte Konsumenten meiner Mitteilungen hier können so auch gleich meine angeklickten Antworten und meine Sternchenbewertung ahnen: beide Fragen bekamen ein Ja, die erste Frage 3 von 10 Sternen, die zweite Frage 7 von 10 Sternen. Wenn ich da was falsch eingetragen habe: sagts mir schnell! Noch ist der Link über meine Originalmail bearbeitbar!

Kaum hatte sich mein Zeigefinger von diesen 4 Klicks erholt war abgeordnetenwatch.de zur Stelle. Auch dieses leider etwas verschwiemelte Antwortkunstwerk sei hier zur Kenntnis gegeben.

Und, sogar an meine Privatadresse geschickt, wollte auch noch die Türkische Gemeinde Spannendes von mir wissen. Briefpost! Sehr gut! darauf ein Link! Und das Schöne: Ganz ungeschützt kann da jeder, der der Internetsuche mächtig ist, sich als Wahlkreiskandidat ausgeben und irgendetwas antworten. Ich gebe zu, es kann noch ein Überprüfungsvorgang stattfinden, aber es gibt keinen Hinweis darauf. Kommt aber nicht auf dumme Gedanken! Ich zumindest warte hier noch ein paar Tage. Vielleicht gibt es ja noch Ausfüllhinweise der Bundespartei.

Leider muss ich vom gestrigen Tag noch den Verlust von wahrscheinlich 4 Stimmen bekanntgeben: Ich war mit meiner Freundin im Fährgarten Johannstadt, um der Band Matteo zu lauschen. Nach einem schönen Spaziergang durch die Stadt, von der wirklich wunderbaren und empfehlenswerten Ausstellung „REICHTUM – MEHR ALS GENUG“ über das ebenso schöne Projekt „Gemeinschaftsgarten Dresden-Johannstadt“ hin zum Fährgarten gelaufen fanden wir auch einen Platz direkt vor der Bühne im Fährgarten. Die Rentnergruppe, direkt hinter uns, kommentierte den Soundcheck in all seinen Einzelheiten und leider sehr lautstark und sehr störend. Meinen Einwand, wir seien extra wegen dieser Band da und sie mögen doch das ganze nicht schlecht reden, immerhin könnten sie, wenn es ihnen nicht gefiele einfach gehen kommentierten sie recht ablehnend. „Wegen dieser Krachmusik?“ Ja. Genau wegen dieser Musik sind wir gekommen. Nun gut, aber wieder nach vorn und zur Bühne gedreht hörte ich hinter meinem Rücken etwas von „Großenhainer 93“, „Ich kenne die Leute“ und dergleichen. Ein wenig mache ich mir Sorgen: wenn ab dem Wochenende auch noch mein Bild in der Stadt plakatiert wird, kann ich dann meinem Ärger noch Luft machen oder bin ich nun auf Schritt und Tritt zu Lächeln, Freundlichkeit und falscher Rücksichtnahme gezwungen?

 

 

 

 

 

 

10. 08. 2013

11. August 2013  Allgemein

Mein Bundesgeschäftsführer hat mir heute per Facebook mitgeteilt, das es noch 43 Tage bis zur Wahl sind. Der Genosse Höhn ist ein guter Mann und erinnert mich so täglich daran, dass ich um jede Stimme kämpfen muss. Sicherlich schaut er dabei auf den wunderbaren LINKE-Abreißkalender, der auch jedem Kreisverband zur Verfügung gestellt wurde und der ebenfalls bis zur Wahl die Tage rückwärts zählt. Ich kenne dieses Prinzip eigentlich nur von der NVA, wahrscheinlich wird es bei allen Wehrpflichtarmeen angewandt. Man schneidet die Tage als Zentimeterstücke von einem Maßband ab, um sich dem glücklichen Ereignis der Entlassung fühlbar zu nähern. Das Problem besteht nur darin: vom schönen relaxten Sommerwahlkampf für den Bundestag gehen wir ohne Übergang in den für die sächsische Kommunalwahl und die Europawahl. Also gleich mal ein zweites Maßband bereitlegen, nicht wahr. Aufgekeult sagten wir, wenn sich einer entschied länger zu dienen. Das Ansehen dieser Wehrpflichtaufstocker war nicht sehr hoch.

Aufmerksame Leserinnen und Leser meines Premiumwahlblogs werden erkannt haben: es ist eigentlich nichts passiert. Ausser drei Emails des fleissigsten Genossen unter 30, der sich kurz vor Mitternacht noch mit Parteiarbeit beschäftigt hat. Schapoh!

Deswegen will ich nur über mein Morgenärgernis mitteilen: Der Radiosender MDR Info interviewte heute morgen den SPD-Spitzenkandidaten Peer Steinbrück. Ich habe das hier als pdf-Datei verlinkt, nicht direkt beim MDR. Ich bin mir nicht sicher, wie lange so ein Link sonst aktuell wäre, nachdem die Privatmedienlobby die öffentlich-rechtlichen Sender in ihrer Internetarbeit so eklatant beschnitten hatte.

Der Ärger besteht nicht in den sehr allgemeinen und flachen Mitteilungen, die uns der berühmteste Sozialdemokrat der Gegenwart so macht, auch nicht im dümmlichen Geschwätz über die LINKE, das er absondert. Ein Beispiel sei trotzdem gestattet, und achten sie als aufmerksame Leserinnen und Leser bitte auf das WIR, das sonst bei den Sozen entscheidet, sich hier aber auf einmal anstrengen muss:

Sie werden gleich eine Wahlkampfveranstaltung der SPD

in Halle besuchen. Werden Sie den Ostdeutschen dort,

also praktisch dieses  Modell (Rot-Rot-Grüne Regierung, Anm. Kießling) ausreden?
„Nein, das spielt da weniger eine Rolle. Es spielt eine Rolle gleich in dieser

Veranstaltung, dass wir wie ich finde wahnsinnig stolz sein können, auf das

was gelungen ist seit der Wiedervereinigung, fast eine Generation danach.

Aber es spielt auch eine Rolle, dass wir weiter uns anstrengen müssen, denn

Ostdeutschland ist nach wie vor mit Blick auf die Löhne, die Einkommensentwicklung,

zweitens die Arbeitslosigkeit und drittens auch die Rentenentwicklung nach wie vor

nicht auf der Ebene, wie sie es eigentliche eine Generation nach der

Wiedervereinigung verdienen.“

Nein, mein eigentlicher Ärger bestand in der Anmoderation, die im Onlinetext nicht vorkommt. Frau Merkel, hiess es da sinngemäß, würde demnächst mit Wahlkampf beginnen, aber ihr Herausforderer Steinbrück sei schon voll dabei und nun hier beim MDR.

Ich finde es jedesmal sowas von daneben, wenn öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, hier sogar noch der Nachrichtenkanal, vollkommen vorbei an der Verfassungswirklichkeit im Lande die vereinfachende Gegenüberstellung von Kanzlerin und Herausforderer bedienen. Weder Merkel noch Steinbrück können von den meisten Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. Merkel kann wählen, wer in ihrem Wahlkreis 015 (Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I) wahlberechtigt ist als Direktkandidatin, oder indirekt über die CDU-Liste, wer in Mecklenburg-Vorpommern wahlberechtigt ist. Steinbrück kann wählen, wer im Wahlkreis 104 (Mettmann I) wahlberechtigt ist als Direktkandidat oder indirekt über die SPD-Liste, wer in Nordrhein-Westfalen wahlberechtigt ist.

Natürlich streben die beiden großen Parteien eine solche Dualisierung an, weil sie sich damit eine Stärkung erhoffen. Aber sie tun dies auf Kosten einer Zusammensetzung des Bundestages, die die Interessen der Bevölkerung korrekt widerspiegelt. Sie tun dies auch auf Kosten des Bundestages an sich, dessen Rolle im Verständnis derer minimiert wird, die meinen, sie würden am 22. 09. 2013 die Spitze der Regierung, also eines anderen Verfassungsorgans wählen. CDU und SPD nehmen diesen Flurschaden billigend in Kauf, und meine Rundfunkanstalt informiert nicht korrekt darüber, sondern spielt das böse Spiel brav, folgsam, vielleicht auch unwissend oder inkompetent mit.

09. 08. 2013

09. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Eigentlich bin ich ja ein großer Prokrastinator. Gestern hab ich das Prinzip durchbrochen und sofort die Strafe dafür erhalten:

Sehr geehrter Herr Kießling,

am Donnerstagabend, den 08. August 2013, haben wir Ihnen eine
Begrüߟungsmail für den Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de
geschickt. Dieser Kandidaten-Check sollte auf einem neuen, komplett
überarbeiteten System laufen. 

Leider mussten wir feststellen, dass das System nicht stabil läuft. Um
kein Risiko für die Durchführung des Kandidaten-Checks einzugehen,
müssen wir auf unser bewährtes System zurückwechseln. 

Wir möchten Sie deswegen bitten, ihre Positionen zum Kandidaten-Check
über das folgende Formular einzugeben:

Super gelaufen. Und gleichzeitig hat mir unsere Bundespartei voller Fleiß ein Komplettset mit Ausfüllungshilfestellungen zugeschickt. Danke!

Ich fühle mich auch gerade gut betreut, denn ich bekam heute einen Anruf vom Kandidierendenservice im Karl-Liebknecht-Haus, wie es mir geht und ob ich Hilfe brauche. Darüber habe ich mich wirklich gefreut!

Ansonsten haben wir weiter Teams auf Plakatierbezirke zugeteilt, damit dort nichts anbrennt. Und ich hoffe, viele beim Wahlkampfauftakt am 16. 08. ab 16 Uhr im Haus der Begegnung zu sehen. Bringt ein Auto, Freunde, gesunde Hände und viel Zeit mit, damit wir unsere Positionen in der Stadt gut sichtbar machen können!

Geärgert habe ich mich heute, jenseits des Bundestagswahlkampfes, über einen Vorstoß von Stadträtin Barbara Lässig (FDP) und meinem Mitkandidaten Stadtrat Thomas Blümel (SPD). Beide arbeiten ganz gut im Sportausschuss der Stadt zusammen und haben nun die Abwahl von Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU) gefordert. Zwar könnte man gut bei einem Glas Saft in der Sonne darüber spekulieren, ob das mit Lässigs enger Freundin OB Helma Orosz abgesprochen war oder ob die beiden nun doch nicht mehr so dicke sind. Aber wäre es Lässig und Blümel ernsthaft um eine Veränderung gegangen hätten sie sich zuerst um Mehrheiten bemühen müssen. So haben sie wohl nur ein kleines Mediengewitterchen im Sommerloch erzeugt. Konstruktive Politik geht aus meiner Sicht anders.

 

 

 

 

 

08. 08. 2013

09. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Die Plakatierungsvorbereitungen laufen. Es könnte besser sein, und ich bin, sagen wir mal, hoffnungsvoll. Ansonsten tut sich nicht sehr viel. Sogar die Morgenpost, unsere Zeitung für lockere Wahrheiten, meldet eine Wahlkampfruhe in Sachsen.

Gemeldet ist eine Wahlprüfsteinanfrage des Apothekerverbandes mit jeweils einer den Kandidaten zugeordneten Kontaktapotheke. Meine soll in Großröhrsdorf sein. Google meldet mir zwei Apotheken in dieser Stadt; Die Stadt Apotheke und die Elefanten Apotheke. ich bin schon gespannt, welche ich besuchen darf. Ein Päckchen Ibu gegen Kopfschmerzen und eine Rolle Traubenzucker mit Fruchtgeschmack könnte ich ja beim Abliefern der Wahlprüfsteine-Antworten dann auch noch erwerben. Man muss immer praktisch denken.

Ausserdem werde ich jetzt so richtig berühmt, denn: abgeordnetenwatch.de hat den Kandidaten-Check eingeführt. Hier das Zitat aus der Email:

Bitte bearbeiten Sie die Thesen bis zum kommenden Sonntag. Nur so 
kann sichergestellt werden, dass Sie zum Projektstart 
(genauer Termin wird noch bekannt gegeben) auf 
abgeordnetenwatch.de und den folgenden Portalen dabei
sind:
- SPIEGEL ONLINE
- ZDF.de
- Welt.de
- Focus.de
- BILD.de
- taz.de
- RBB
- Handelsblatt Online
- RP Online
- Cicero Online
- Hamburger Abendblatt
- Berliner Morgenpost

Über unsere Medienpartner erreichen Sie zehntausende Menschen 
aus Ihrem Wahlkreis. Nutzen Sie die Möglichkeit, um die Wählerinnen 
und Wähler von ihren Positionen zu überzeugen!

Ich fand diesen Aufmarsch der Weltpresse bedeutend und habe flugs das entsprechende Formular ausgefüllt, sonst wären die zehntausende Menschen aus meinem Wahlkreis ja enttäuscht. Nun steht nur eine Frage: Wenn ich von der Einwohnerzahl meines Wahlkreises „zehntausende“, großzügig wie ich bin gleich mal 90.000 abziehe bleiben immer noch weit über 100.000 übrig. Wie nur kann ich die jetzt erreichen? Vielleicht über diesen Blog hier? Wer das jetzt liest muss ganz dringend bei dieser Aufgabe helfen!

Ach und ein Gruß noch an einen meiner Stammleser: Obwohl unser Wahlkreisinspektionsrundgang gestern doch lang und anstrengend war habe ich mir alle Hinweise und Erkenntnisse eingeprägt!

 

 

 

 

 

06. 08. 2013

07. August 2013  Tagebuch

Gleich am Morgen gab es ein Angebot. Dieses hier. Abgesehen davon, dass die genannten Ziele für Sachsen nicht meine sind, denn mindestens die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kindertageseinrichtungen hätte ich dazugenommen, finde ich das mit den Angeboten bedenklich. Wenn ich im  Geschäft ein Regal sehe mit einem großen Kauf-Mich-Schild darüber, auf den Waren einen „Preisgesenkt“- Button (Es muss ja kein LINKER Ministerpräsident sein) und am Eingang stand ein Schild „Auf alles reduzierte noch mal 20% Rabatt“, dann erkenne ich doch eines: da gibts Ladenhüter. Aus meiner Sicht steht das Angebot an SPD und Bündnis90/Die Grünen, bei Wahlergebnissen, die das ermöglichen, Koalitionsgespräche zu führen. Dort sollten wir klar machen dass die Positionen und Personal der LINKEN keine Ramschware sind sondern unerlässliches Zubehör für einen Richtungswechsel der Landespolitik. Mindestens würde aus meiner Sicht dazu gehören, die Agenda-2010-Folgen beständig über Bundesratsaktivitäten einzugrenzen.

Ich habe ansonsten einen Artikel über den Kreuzchor geschrieben und dort einen angemessenen Kostenbeitrag der Kirchen für diesen Chor angemahnt. Es wird Zeit, dass sich die evangelische Landeskirche für diesen Chor mehr als nur symbolisch verantwortlich zeigt.

Ausserdem ist mein Terminkalender um einen Termin reicher, weil ich Katja Kipping bei der Handwerkskammer zu deren Bundestagswahlveranstaltung vertreten muss. Immerhin ist mein Bruder ein Elektriker, ich bin sozusagen handwerkspolitischer Fachmann.

Auch wenns mit dem Bundestagswahlkampf nichts zu tun hat freue ich mich, dass die Petitionspostkarten zur Hafencity fertig sind und verteilt werden können. Dazu morgen mehr, denn jetzt bin ich nach einem abendlichen Wahlkreisrundgang sehr müde!

PS: Das Kandidatenprofil auf der Bundespartei-Homepage steht und sieht so aus.

 

 

 

 

05. 08. 2013

05. August 2013  Allgemein

Hui heute ist aber mal so richtig viel passiert! Als erstes hab ich heute die Fragen der Lokalzeitung aus dem Landkreis Bautzen beantwortet. Fragen und Antworten stehen unten im Artikel. Immerhin ist die zuständige Autorin 10 Minuten nach dem Zusenden der Antworten meine Facebook-Freundin geworden.

Ansonsten warte ich noch darauf, dass meine Bundespartei meine Daten in ihr Verzeichnis der Kandidatinnen und Kandidaten aufnimmt. Da hab ich schonmal allerlei hingeschickt, sie prüfen noch. Ich bin ja so gespannt.

Aber eigentlich ist das alles unnütz, denn ich hab die Wahl schon gewonnen. Das hat mir Unicef mitgeteilt, in einem Brief. Eigentlich wollten sie mir nur mitteilen, ich solle doch im November online mit Kindern chatten, um mal deren Rechte zu erfahren. Und immerhin ist Unicef ja eine UNO-Unterorganisation. Also nehm ich da alles sehr ernst, und siehe da: in der Adressierung steht Tilo Kießling, MdB. Hat sichs also doch gelohnt!

Ausserdem bedachte mich noch der deutsche Gewerkschaftsbund mit Post, um mich und noch viele andere zu dieser Veranstaltung einzuladen, auch noch zu dieser und zu dieser. Ich werde wohl nur die erste schaffen.

Am frühen Abend allerdings trafen wir uns zur Wahlaktivtagung, um gemeinsam mit den Ortsvorständen den Wahlkampf im Detail vorzubereiten. Auf dem Bild oben sieht man die Stimmung im Saal kurz vor dem Start. Das war dann doch ein etwas ernsterer Termin, denn die Verteilung der Materialien und die Anbringung der Plakate ist nicht so ohne Weiteres zu schaffen.

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Hier (danke an Silvio Lang für das getwitterte Bild) sieht man die Planungen zur Verteilung der Einzelnen Plakatierbezirke auf die Plakatierteams. Grundlage wird die Hängung zum Bürgerentscheid Krankenhäuser im Januar 2012 sein. Wer immer von Euch Leserinnen und Lesern bereit ist, mit einem kleinen Team einen Bezirk zu übernehmen: meldet euch schnell und kommt am 16. 08. zur fröhlichen Plakatausgabe!!

Zum Abschluss noch dieser fröhliche Link für euch und hier auch die Fragen und Antworten für die Lokalzeitung im Bautzner Gebiet:

1. Wann und wie kommen Sie morgens aus den Federn?

Das hängt von den Aufgaben ab, die ich am Morgen habe. Aber wenn ich es 
einmal sehr zeitig schaffe bin ich glücklich.

2. Wann sind Sie zum letzten Mal stolz auf sich gewesen?
Bei den Enthüllungen über das Kinderheim "Haasenburg". Kinder sind dort 
misshandelt worden, aber durch mein politisches Wirken in Dresden sind 
seit vielen Jahren keine Dresdner Kinder mehr dorthin geschickt
worden.

3. Worüber haben Sie sich zuletzt am meisten geärgert?
Über die Kühlschrank-Frage in dieser Liste. Weshalb sollte mich jemand 
wegen meines Kühlschrankinhaltes wählen? Demokratie lebt vom Streit 
über politische Ziele. Und damit hat mein Kühlschrankinhalt wirklich 
überhaupt nichts zu tun.

4. Was haben Sie sich von Ihrem ersten regelmäßigen Einkommen geleistet?
Mein erstes regelmäßiges Einkommen waren die 100 DDR-Mark, die man 
vor der Wende als EOS-Schüler (heute Gymnasiast) monatlich in der 
11. Klasse bekam. In der 12. waren es dann 110 Mark.
Ich erinnere mich nicht mehr, was ich gekauft habe, nur noch an die 
Sparkassenfiliale, in der ich mit meiner Mutter damals zu diesem 
Zweck ein Konto eröffnete. Dieses Konto habe ich heute noch.

5. Worauf könnten Sie sofort verzichten?
Auf Auslandseinsätze der Bundeswehr. Aber das war nicht gemeint, oder? 
Also: ich lebe in einer Großstadt, habe kein Auto, weil es einen guten 
öffentlichen Nahverkehr und im Notfall Taxis gibt, und lebe ansonsten 
in einem relativen Luxus eines Mitteleuropäers. Würde mein Einkommen 
etwas sinken käme wohl am ehesten in Frage, in allen Lebensbereichen 
ein wenig zu sparen.

6. Welche außergewöhnlichen Dinge könnten Sie für den nächsten 
Trödelmarkt beisteuern?
Nichts.

7. Welche Alltagstätigkeit ist für Sie pure Zeitverschwendung?
Also ganz ehrlich, Alltagstätigkeiten, die Zeitverschwendung sind, 
habe ich längst abgestellt. Das Ergebnis ist, dass mir ab und an 
Zeit zum Verschwenden übrigbleibt. Bestimmt wird das ganz anders,
wenn ich von den Leserinnen und Lesern dieser Zeitung dann in den 
Bundestag gewählt worden bin. 
Aber das wäre auch wieder Schade, denn in solchen Momenten 
verschwendeter Zeit, des Müßigganges, also der Zeit der Muße, kommen 
einem doch die besten Gedanken, Ideen und Pläne.

8. Womit vertreiben Sie schlechte Laune und trübe Gedanken?
Mit abwarten und Tee trinken. Wahlweise auch anderes als Tee.

9. Was haben Sie immer in Ihrem Kühlschrank stehen?
Das geht keinen was an. Wenn ich jemandem meinen Kühlschrank zeigen will 
lade ich ihn oder sie zu mir nach Hause ein. 
Dann zeige ich gern auch mein Badezimmer, die Kinderfotos
und meine Musiksammlung.

10. Was lesen Sie gerade?
Jose Saramago, Die Stadt der Sehenden.

11. Wann und wo ist für Sie ein Urlaub perfekt?
Wenn er kurz ist und authentisch. Ich mag keine künstlichen
Urlaubswelten, sondern das wirkliche Leben der Menschen zu sehen. 
Es ist nicht sehr einfach, das zu schaffen, ohne zu stören. 
Und ich mag es, noch einmal wiederzukommen, 
deswegen muss ein Urlaub nicht lang sein.

 

 

04.08.2013

05. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Von gestern morgen bis heute am Nachmittag habe ich einen Kurzausflug nach Kalkhorst in unmittelbarer Ostseenähe gemacht. Der Anlass war nicht sehr erfreulich, so dass der Wahlkampf in den Hintergrund treten musste. Dennoch gab es wesentliche Dinge zu entscheiden: Die Frage, ob wir Briefkästen mit Werbeverbotsaufklebern mit unserem Material bestücken sollen oder nicht war noch einmal zu entscheiden. Gegen 22 Uhr in einem Auto Richtung Schwerin fahrend habe ich entschieden: „Wir verhalten uns in jedem Fall juristisch unangreifbar!“ Nimm das, politische Konkurrenz!! Seit dem beschäftigt mich die Frage, ob der angekündigte fulminante Haustürwahlkampf der SPD vor den Türen halt macht, an deren zugehörigen Briefkästen ein Werbestopper klebt oder ob Peer Steinbrück gnadenlos auch da klingelt. Schreibt mir sofort, wenn ihr Erfahrungen damit sammelt!

Da gestrige Problem mit dem DGB-Jugendtool ist gelöst. Ich bin stolzer Unterzeichner der Forderungen dieser Webseite. Man muss dort erst aufgefordert werden. Das ist spannend: Es wird nicht mitgeteilt, wer aufgefordert wurde und die Unterzeichnung verweigert hat. Nun ja.

Heute ab 14 Uhr war ich zu einer Diskussionsrunde zu 20 Jahren Bündnis 90/Grüne eingeladen. Deswegen sind wir extra zeitig aus Schwerin aufgebrochen und ich habe die gesamte Fahrzeit meine Erinnerungen an die Wendezeit aufgefrischt und, sofern auf der Autobahn Netz war, im Smartphone einschlägige Beiträge gelesen. Quintessenz: Bündnis 90 war die Eintrittskarte der als Links geltenden Grünen in die bürgerliche Gesellschaft des Westens. Es sollten auch Grüne mitdiskutieren, dort im Radio Aber die fanden das wohl dann doch nicht so spannend, und so saß ich mit Moderator Sebastian Schmidt (oben im Bild) allein da und bestritt diese Sendung.

Morgen findet unsere Wahlaktivveranstaltung statt: Ich bin gespannt.