20. 09. 2013

20. September 2013  Tagebuch

Was hab ich schlechte Laune!

kaffeeensatz

Am Dienstag haben wir etwas betrübt festgestellt, dass die Zeitungen der Stadt zwar die KandidatInnen der anderen Parteien in Portraits darstellen, uns aber anscheinend vergessen haben. Nachdem wir bei der Sächsischen Zeitung nachgefragt haben kam dann doch noch ein Termin zu Stande: Wir verteilen Kaffee am Morgen am Postplatz und schwatzen etwas mit den Leuten. Der Journalist, der den Artikel schreibt, stellt Katja ganz zu Recht als fleißig, mich aber als besonders faul und desinteressiert dar. Nicht, dass ich begeistert an Wahl- oder Infoständen bin: das ist sehr selten der Fall. Beim Hechtfest war es so, falls jemand da vorbeigekommen ist und mich gesehen hat. Aber zum jammern neige ich nun auch nicht.

Mein Wahlblog hier heißt „… versuchen wir das Unmögliche!“, und warum diesen Wahlkreis zu gewinnen eigentlich unmöglich ist hab ich dem jungen Herrn vorgerechnet. Weil der Stimmenabstand zwischen Arnold Vaatz und den zweitplatzierten PDS- bzw.LINKE-Kandidaten in den vorangegangenen Bundestagswahlen bei ca. 15.000 Stimmen lag, die nur unter besonders günstigen Umständen für uns zu gewinnen sind. Aber seien wir Realisten und versuchen es dennoch! Dazu habe ich ihm erklärt, dass wir eine Langzeitstrategie haben, weil man Wählerinnen und Wähler eben nicht mal so einfach in den letzten Tagen vor der Wahl mit einem Kuli und einem Feuerzeug bestechen kann, sondern durch seine Arbeit über Monate und Jahre gewinnen muss. Und dass ich lieber auf Podien und in Gesprächsrunden bin, und dass ich es für einen Skandal halte, dass in sächsischen Schulen keine Erstwählerforen gemacht werden dürfen. Und dass ich es bedaure, dass so wenige Verbände und Institutionen zu Diskussionsrunden eingeladen haben. Und ich hab ihm mein Menschenbild erklärt: das ich überzeugt bin, das fast alle Menschen wissen, wen sie wählen werden, aber darüber einfach nicht so gern diskutieren. und dass aus dieser Sicht heraus bei einem Infostand eben zum allergrößten Teil Menschen vorbeilaufen, die einen nicht wählen werden. Bei 50% Wahlbeteiligung und 20% Parteiergebnis ist es nun einmal statistisch nur jeder Zehnte. Von 100, die vorbeilaufen, sind 10 Menschen für uns aufgeschlossen. Das ist nicht schlecht, aber die 90 Ablehnungen sind natürlich nicht einfach zu ertragen. Er hat verstanden: ich erreiche an einem Infostand nur 10 Leute. Nö, so isses nich. Das hängt nämlich von der Dauer des Einsatzes ab. Und man kann nur mit einem Menschen gleichzeitig reden. Vielleicht hätte er gern gesehen, wie ich voller Eifer versuche, Leute zum wählen gehen zu bewegen. Oder ich habe ihn einfach überfordert mit meinen Annahmen. Und er hat nicht bedacht, dass Menschen von Katja vielleicht viel lieber einen Kaffee annehmen als von mir.

Der Artikel ist bei der SZ hinter der Bezahlschranke, deswegen gibts hier keinen Link. Und nun ist es auch genug mit dem Ärger.

Heute wurde mein Wahltalkvideo bei Dresden-Fernsehen veröffentlicht. Bildet euch bitte selbst ein Urteil. Ich bin ganz zufrieden, aber bis zum Vollblutparlamentarier wäre es dann doch noch ein ganzes Stück. Vielleicht mehr Unhaltbares versprechen? Mögen die Menschen sowas?

Am Abend heute fand dann die Podiumsdiskussion in der Handwerkskammer statt. Eine sehr schöne Runde, offen und konfrontativ, ich fand mich nicht so schlecht. Natürlich sind Handwerkerinnen und Handwerker herzenskonservative Menschen, und ich meine dies durchaus im positiven Sinne. Ich würde ja gern mal Handwerkerinnen und Handwerker kennen lernen, die LINKE wählen. Schon, um unser Kommunalwahlprogramm gut vorzubereiten wäre das eine spannende Sache. Insbesondere die Angst der Gewerke, die jetzt weit von 10 Euro Mindestlohn entfernt sind kann ich nachvollziehen. An dieser Stelle wird auch nach den Wahlen Erklärungsbedarf bleiben.

Das Bild hab ich bei Ralf Hron gemopst, der als DGB-Chef im hiesigen Sprengel auch in der Handwerkskammer Mitglied ist. Ich hoffe er nimmts mir nicht krumm und ist mit einer Tasse Kaffee als Entschädigung einverstanden, wenn er es mitbekommt.

hwk

 

Zum Ende noch, weil dies der vermutlich vorletzte Eintrag zur Bundestagswahl sein wird: Was meint ihr, soll ich diesen Blog weiterführen? Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen, danach Landtagswahlen, obwohl ich da eigentlich nicht kandidieren will. Lasst es mich einfach mal wissen!

 

 

 

 


8 Kommentare zu „20. 09. 2013”

  • Jacqueline sagt:

    ich finde: ja, sollten Sie!

  • Jenny sagt:

    Wenn du das schaffen kannst: Mach weiter.

    Sonnige Grüße

  • Mona sagt:

    Täuscht mich dass, oder hat die Moderatorin mind. 2 Fragen gestellt, die auf die gleichen Antworten hinausliefen, wobei Sie wiederum, Herr Kießling, versuchten anders zu antworten?

    Ich finde nicht, dass Sie Unhaltbares versprechen sollten. Stattdessen ist mehr Idealismus in den eigenen Worten angebracht – als rhetorische Untermalung der Werte, die man vertritt. Sie bleiben sachlich und realistisch, was prinzipiell für Sie spricht, wenn es darum geht, Versprechen zu halten – aber ein Funke Optimismus und ein Lächeln mehr, hat Überzeugungskraft.

    Im Übrigen, ich bin für ein Fortführen des Blogs – nächstes Jahr darf ich wenigstens auch wählen.

    • Tilo Kießling sagt:

      ok. danke fürs feedback. ich vergesse zu leicht, dass ja manche zuschauerInnen auch aufgemuntert und, wie man so sagt, mitgenommen werden wollen. da ist zu viel rationalität manchmal zu wenig.

  • Diether Mooskanne sagt:

    Liebe LINKE, ihr macht einen guten Wahlkampf; nah am Bürger. Wer ist der junge Mann mit der hübschen Locke? In diesem Sinne, Nie wieder Vaazismus!

  • Silvio sagt:

    Pro Weiterführung!

  • Magnus Hecht sagt:

    Ich fand das auch sehr interessant, den Blick hinter die Kulisse des Wahlkampfplakatkopfes. Deswegen würde ich mir die Fortsetzung wünschen.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

AlphaOmega Captcha Classica  –  Enter Security Code