Beiträge vom Januar 2014

Halb zog sie ihn,

13. Januar 2014  Allgemein

halb sank er hin. Diese Verlockung. Nicht der Nixe, natürlich nicht, es läge mir fern, die Grüne Ratsfraktion mit einem Fischer und Frau Oberbürgermeisterin Orosz gar mit einer Fantasienixe zu vergleichen. Aber diese Verlockung der Macht, nicht wahr. Zwar stehen wir vor einer Kommunalwahl und hoffen, auch in Dresden, nein: Gerade in Dresden!, auf einen Politikwechsel, und es wäre doch klug, alle wesentlichen Entscheidungen in den Herbst zu verlagern.

Anders denken aber meine Grünen Ratskolleginnen und Ratskollegen. SZ und DNN habens nuanciert anders, aber in der Richtung eindeutig abgedruckt: Die Grünen wollen beim nächsten Haushalt wieder mitmachen. Und sie wollen so schnell wie möglich damit anfangen! Dabei bemühen sie sich ganz kühl und unberührt zu schauen, so als hätten sie alles im Griff. Wer das Agieren der CDU-Grüne-SPD-Haushaltskoalition im Stadtrat und hier vor allem den Eifer, die Eilfertigkeit der Grünen beobachtet kann aber nicht anders als zu konstatieren, dass da ein Herzenswunsch in Erfüllung ging und sie die durch braves Mitwirken errungene Wichtigkeit auf keinen Fall verlieren wollen.

Dabei geht es garnicht um die Zustimmung oder Nichtzustimmung zu einer Haushaltssatzung, das ist Unfug. Einer Haushaltssatzung kann man zustimmen oder auch nicht, und zu betonen, man sei grundsätzlich auch bereit dazu ist eine anscheinend unbedeutende, inhaltsleere Aussage. Bedeutend wird sie nur dadurch, dass sie die Fortsetzung eben jener Haushaltskoalition ankündigt. Den Sonderfall zur Regel erklärt: weil es so erfolgreich gelaufen ist. Was aber ist: erfolgreich?

Ich weiss nicht, ob die Grünen die Möglichkeit einer Rot-Rot-Grünen Kooperation bereits vollends zu den Akten gelegt haben oder ob sie meinen, ihre Wählerschaft und meine Partei würden jede Annäherung an die CDU mangels Alternativen einfach ertragen. Aber ich würde es gern wissen, öffentlich und nachvollziehbar.

Zum jetzigen Zeitpunkt allerdings und nach den eindeutigen Präferenzen der Grünen für eine CDU-Annäherung bundesweit kann man die aus der Stadtratsfraktion kommenden Signale nicht anders werten als das Angebote zur dauerhaften engeren Zusammenarbeit mit der CDU. Ich nehme es, betrübt, zur Kenntnis. 

Übrigens, achtet auch auf die 4. Strophe. Wer wöllte Goethe schon widersprechen:

 

Der Fischer

Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie’s Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew’gen Tau?«

Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
Netzt‘ ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war’s um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.