Globus: keine Gretchenfrage

06. März 2014  Allgemein

Heute steht im Stadtrat die Entscheidung zum neuen Globus-Großmarkt am Bahnhof Dresden-Neustadt auf der Tagesordnung. Unsere Fraktion mit ihren 12 Mitgliedern zeigt dabei seit Beginn der Debatte ein von manchen unerwartetes, aber nicht unbegründetes Abstimmungsverhalten. 7 Mitglieder der Fraktion wollen das Vorhaben ablehnen, 5 Mitglieder, darunter auch ich, werden sich enthalten.

Ausgangspunkt für mich ist eine schon länger zurückliegende Überlegung, die eher im grundsätzlichen Bereich liegt. So lange ich Stadtratsmitglied bin hatte die PDS und später DIE LINKE in einer Art politischer Reflexhandlung jeden großflächigen Einzelhandel abgelehnt. Das Ergebnis war immer gleich: Jede Neuansiedlung, jede Erweiterung wurde am Ende doch im Rat beschlossen. Der Schutz des innerstädtischen Handels gegen diese Art von Konkurrenz ist grandios mißlungen. Die Handelszentren am Stadtrand, egal ob auf Dresdner Flur oder auf dem Territorium der Nachbargemeinden blühen und der innerstädtische Handel, den wir vorfinden, ist von einer Art, die trotz dieser Konkurrenz bestehen kann.

Damit war für mich aber die ursächliche Begründung für diesen politischen Reflex entfallen und ich plädierte damals für eine differenzierte Herangehensweise: wir müssen diese Unternehmen nicht lieben, aber sie sind nun einmal da und wir sollten deshalb den gegenseitigen Vorteil  zwischen Handelsriesen und Stadt suchen.

Aus diesem Grund habe ich mich zu Beginn der Diskussion für Globus ausgesprochen und immer wieder geprüft, ob die ins Feld geführten Argumente meine Haltung dazu verändern können.

Das wesentlichste Gegenargument war die Abweichung von den ursprünglichen Planungen in diesem Gebiet. Die vom neuen Großmarkt belegte Fläche verhindert praktisch die Umsetzung einer vom Stadtrat schon einmal bestätigten Masterplanung für dieses Gebiet. In meiner Abwägung damals stand also eine Planung gegen ein konkretes Projekt. Die Planung enthielt allerdings einige kritische Elemente, die Bebauung der Hafengebiete mit Nobelwohnungen war mir nicht sehr symphatisch und die großzügig geplanten Grün- und Kulturflächen im Gebiet jenseits der Leipziger Straße sind aller Erfahrung nach Bestandtteile, die dann in der Realität doch nicht so umgesetzt werden wie vorgesehen. Dennoch reicht die durch das Globus-Projekt verursachte Planabweichung, um aus meiner Zustimmung eine Enthaltung zu machen.

Ein großer Komplex der Argumentation gegen Globus widmet sich den Folgen, die aus dem Kaufkraftabzug entstehen. Jeder Euro, der bei Globus später ausgegeben werden wird fehlt natürlich anderen Handelsunternehmen. Aber nicht jedes Handelsunternehmen, dass unter diesem Umsatzverlust leiden wird ist schützenswert. Ich muss also versuchen zu erfassen, welche Beeinträchtigungen eintreten und ob diese für meine Entscheidung wesentlich sind.

Aus meiner Sicht findet diese Umverteilung von Kaufkraft fast ausschließlich zwischen gleichartigen Unternehmen statt. Globus konkurriert aus meiner Sicht mit allen Supermärkten, die mit dem Auto gut erreichbar sind und für Vorratseinkäufe für Familien geeignet. Hier wiederum mit denen, die neben einem schnellen Einkauf auch noch ein gewisses Einkaufserlebnis versprechen. Hauptleidtragender wird also aus meiner Sicht der Elbepark sein, danach kommen alle unspezifischen Supermärkte mit Parkplatz entlang der Hauptverkehrsstraßen. Diese beiden genannten Leidtragenden sind aber für mich politisch nicht besonders schützenswert.

Nicht nachvollziehen kann ich die Sorgen derjenigen Händlerinnen und Händler, beispielhaft der im Gebiet der äußeren Neustadt, die vor allem auf Kundinnen und Kunden ohne Auto setzen. Ich halte es für wenig glaubhaft, dass sich viele der jetzt dort Einkaufenden in Zukunft zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf die andere Seite der Bahngleise begeben. Viel wesentlicher ist  die Umverteilung von Kaufkraft innerhalb ähnlicher Geschäfte im fußläufigen Umfeld: Der Konsum klagt bereits jetzt über einen Umsatzrückgang von 18% in der Filliale Alaunstraße wegen des neuen REWE auf der Bautzner Straße. Klar. Wer bisher bis zum Konsum gelaufen ist und es jetzt zum REWE näher hat wird das neue Angebot nutzen. Aber das gilt eben nicht für den Globus-Markt: Dort in der Umgebung wohnt kaum jemand, der bisher bis zum Konsum gelaufen wäre.

Erstaunlicherweise hielt sich aber die vernehmbare Kritik an den erheblichen Ausweitungen der Handelsfläche von Lebensmitteldiscountern kleinerer und mittlerer Größe stark in Grenzen. Und es möge jeder einmal für sich prüfen, wie viele neue derartige Handelseinrichtungen in den vergangenenen Jahren eröffnet haben.

Hintergrund dieses erstaunlichen Missverhältnisses der Kritik an Globus und der Kritik an der Vielzahl der anderen neuen Handelseinrichtungen ist wahrscheinlich, dass mit Globus ein neuer Konkurrent den hiesigen Markt betritt. Die bisherigen Platzhirsche Konsum, Edeka, REWE schöpfen bisher fast die gesamte Kaufkraft in ihrem Segment ab und werden sicherlich an Umsatz einbüßen. Ich glaube aber nicht, dass ein eingreifen der Politik in diesen Bereich des freien Marktes sinnvoll ist: Die Gewinninteressen des einen gegen die Gewinninteressen des anderen zu schützen ist keine Stadtratsaufgabe. Ich empfehle nur allen, die großen Handelsunternehmen einmal bei Wikipedia näher zu betrachten. Edeka und Rewe werden dort mit weit über 40 Milliarden Euro Umsatz benannt, Globus mit knapp unter 7 Milliarden. Die Konsumgenossenschaft Dresden mit etwas übe 100 Millionen Euro Umsatz ist dagegen ein Zwerg und könnte als einzige auf ein Schutzinteresse der Dresdner Lokalpolitik plädieren.

Im Ergebnis finde ich hier nicht genügend neue Gegenargumente, allerdings viele Merkwürdigkeiten, die in anderen Argumentationsgängen ihre Spiegelung finden.

Ein weiterer, aber deutlich schwächerer Argumentationsgang ist die Frage, was denn alles sonst noch so dort auf dieser Fläche hätte gemacht werden können. Dabei gibt es aus meiner Sicht drei Untervarianten.

Die erste umfasst alle weichen Vorschläge, Parks, Schwimmbäder, öffentlichen Einrichtungen und dergleichen, für die es zwar Wünsche und Bedürfnisse gibt, die aber bisher nicht mit einer Planung untersetzt sind. Diese Argumentation ist wohlfeil und nicht ganz redlich. Sie nutzt den Wunsch auf Verbesserung in bestimmten Bereichen als Verhinderungsargument. Das würde ich auch an anderer Stelle strikt ablehnen. Diese Argumentation kann soundso nur gelten, wenn es sich um Flächen im städtischen Eigentum handelt, deren Verwendung an sich in der Hoheit des Stadtrates liegt. Hier aber ist der Grund und Boden nicht städtisches Eigentum, und insofern sind alle Erwägungen für andere Verwendungen der genannten Art sehr weit hergeholt.

Die zweite schlägt Wohnbebauung vor. Das entspräche dem Masterplan, insofern ist es in meine Stimmenthaltung bereits eingepreist. Zudem glaube ich nicht, dass sich die Situation für die bisher dort in der Nähe wohnenden in irgendeiner Weise verbessert wenn hochpreisige Neubauten errichtet werden.

Die dritte Untervariante befasst sich mit dem Verkehrsmuseum. Als kleine Zwischennotiz ist es in der Sächsischen Museumskonzeption erwähnt. Allerdings hat meine Fraktion ihre Haltung zum Standort des Verkehrsmuseums schon vor längerer Zeit und ganz unabhängig vom Globus-Projekt gefunden: wir wollen das Verkehrsmuseum am Neumarkt halten. Dort hat es möglicherweise nicht die besten musealen Bedingungen, aber es trägt zur Attraktivität des Neumarktes bei. Es ist ein Anziehungspunkt auch für solche Bevölkerungsgruppen, die sonst kaum Anlass hätten, den großbürgerlich umgeformten innerstädtischen Platz zu besuchen.

Insofern kann ich auch in diesem Argumentationskomplex nichts finden, was mich bewegt, aus der Enthaltung eine Gegenstimme zu machen.

Die Verkehrsfrage halte ich persönlich für sehr weit hergeholt: Ein Großmarkt an einem Fernbahnhof und den zwei Autobahnzubringern Großenhainer/Hansastraße und Leipziger Straße wird kaum unlösbare Verkehrsprobleme mit sich bringen. Und eine Sperrwirkung des Eisenbahndammes kann ja, im Sinne eines Schutzes der Handelseinrichtungen auf der anderen Seite, nur nützlich sein. Autofahrende Kundinnen und Kunden werden die erwartete Wegezeit selbstverständlich in ihre Entscheidung einbeziehen, welchen Markt sie für ihren Wochenendeinkauf ansteuern.

Zu guter Letzt will ich noch anmerken: Niemand wird gezwungen sein, in diesem neuen Markt einzukaufen. Alle können wie bisher auch frei entscheiden zwischen dem nahe liegenden Händler, dem Spätshop, dem hochpreisigen Supermarkt unten im Karstadt, dem Lidl oder Netto, der Verbrauchergemeinschaft, dem Internet-Lieferdienst. Die, die sich bisher für große Einkaufsmärkte erwärmen konnten, einmal im Jahr oder aller 14 Tage, haben nun einen weiteren zur Auswahl. Die gesellschaftlichen Fragen, die mich umtreiben, werden weder durch diese Wahlfreiheit noch durch die Erweiterung um einen neuen Großmarkt berührt. Im Gegenteil: eine Politik die versucht, die eigene bevorzugte Verhaltensweise als Norm anzusetzen ohne ganz genau die Notwendigkeit für den Gemeinnutz darzustellen ist mir suspekt.

Zur Kenntnis für Interessierte hier noch die Kommunalpolitischen Leitlinien und die Wirtschaftspolitischen Leitlinien der sächsischen LINKEN. Es findet sich auch dort keine weitere Argumentation, die aus einer Enthaltung in der Angelegenheit Globus eine Gegenstimme machen würde.

 

 

 

 


16 Kommentare zu „Globus: keine Gretchenfrage”

  • Stefan sagt:

    Sehr geehrter Herr Kießling,

    eigentlich schätze ich Ihre Kommunalpolitik, aber Ihre Argumentation bezüglich der „Platzhirsche“ ist falsch.
    Auch die genannten Platzhirsche (Edeka Albertplatz, Rewe Mickten, 2x Rewe Neustadt & die naheliegenden Konsum Märkte) sind schützenswert!
    Die REWE & EDEKA Märkte werden von selbstständigen kleinen Kaufleuten betrieben, die somit den Umsatzrückgang extrem in der eigenen privaten Tasche spüren werden!
    Diese drei Märkte zahlen ihre Gewerbesteuer an die Stadt Dresden, und nicht an die Stadt, in der der Konzern seinen Sitz hat – wie bei Globus St.Wendel im Saarland!

    Stimmt Die Linke (indirekt) für Globus vernachlässigen Sie ihr Parteiprogramm:
    Sie spülen Geld in die Stadtkasse von St.Wendel und in die Konzernkasse von Globus, anstatt diesen Umsatz privaten Dresdner Kaufleuten (dazu zähle ich sehr wohl Edeka, Rewe und Konsum) zu gönnen.

    Außerdem sind Märkte solcher Dimensionen im LEH überholt – Die Branche steht u.a. durch den Onlinehandel (Amazon liefert bald Lebensmittel) vor einem Umbruch.

    Ist diese Immobilie über Jahrzehnte so sinnvoll genutzt?
    Nur weil man nicht weiß, was man mit dieser einzigartigen und prominenten Brache in Dresden anstellen soll, ist es falsch die Notlösung Supermarkt zu nutzen.

    Bitte lassen Sie diese Fläche nicht verkommen!

    • Tilo Kießling sagt:

      Vielen Dank für den Kommentar. Aber schauen wir ins Detail: Addieren sie einmal die Gesamtflächen aller in den letzten Jahren im ungefähr von Ihnen beschriebenen Umkreis hinzugekommenen oder noch hinzukommen werdenden Supermärkte, dann wird die Sache etwas komplexer. Rewe Bautzner Straße, Rewe Mickten, Edeka Großenhainer ganz frisch, Edeka Albertplatz, die Erweiterung des Lidl-Marktes im Neustädter Bahnhof und so weiter und so fort. Es findet in genau diesem Bereich jetzt schon ein heftiger Kampf statt, zum Teil unterhalb der genehmigungspflichtigen Flächengrößen, zum Teil darüber. Jeder dieser neu errichteten Märkte nahm den bisherigen Umsatz weg. Nur weil jemand schon da ist und ein Geschäft betreibt hat er oder sie keinen Anspruch auf Schutz. Dieser Anspruch entsteht aus dem Bestreben einer Gemeinde, ihre Gesamtstruktur funktionsfähig zu gestalten. Und genau hier widerspreche ich: Globus gefährdet die Funktionsfähigkeit der Gesamtstruktur des Handels nicht.
      Übrigens: Die beiden Konsum-Märkte werden, da bin ich mit ziemlich sicher, kaum von Globus betroffen sein.
      Ob ein Großmarkt an sich an dieser Stelle sinnvoll ist oder nicht entzieht sich der politischen Beurteilung und ist auch nicht Gegenstand der angesprochenen Stadtratsentscheidung. Globus denkt das. Wenn Globus recht hat und genügend Menschen diesen Markt ebenfalls sinnvoll finden wird sich die Sache rentieren, wenn Globus sich irrt und nicht genügend Menschen diesen Markt sinnvoll finden wird er untergehen.
      Wäre diese Fläche in städtischem Eigentum könnte man über alternative Nutzungen nachdenken. Da diese Fläche aber nie in städtischem Eigentum war handelt es sich auch nicht um eine Notlösung, um die Brache zu beseitigen, sondern um das Konzept des Eigentümers, für dessen Versagung es eben nicht ausreicht, vage umschriebene andere Vorstellungen zu haben. Wollten wir diese Fläche als Vorratsfläche aufbewahren müssten wir sie als Stadt kaufen. Das halte ich für wenige realistisch.

      Bitte beachten Sie auch, dass zu Edeka noch mehr Märkte gehören als nur die, auf denen „Edeka“ geschrieben steht.

      • Stefan sagt:

        Ich bin mir durchaus bewusst, welche Märkte zur Edeka Gruppe gehören – die sind mir allerdings ziemlich egal, weil beispielsweise ein Netto (u.a. mit Menschenausbeute) Geld in diese riesige Konzernkasse spült.
        Durch Partnerschaftsmodelle wie von Rewe und Edeka profitieren im Regelfall private Kaufleute & deren Angestellten sowie die Stadt Dresden – man könnte ja fast vom Mittelstand reden 😉
        Diese durch Globus zu gefährden und eine Überversorgung im LEH in diesem Gebiet zu schaffen empfinde ich als falsch.

        warum engagiert man sich nicht, anderen Investoren eine Chance zu geben, ihre Ideen vorzustellen?

  • Lukas Völkel sagt:

    ohja danke. Find ich super. Nachdem es der Osten endlich geschafft hat, sich nach 40 Jahren sozialistischem Diktat dem Westen anzuschließen, ist auch endlich die Wegwerfmentalität bei den vermeintlichen SED-Nachfolgern angekommen. Bevor man sich da zu weit aus dem Fenster lehnt und mit dem Finger auf Wirtschaftsmächte zeigt und sagt, man täte das im Sinne des Volkes, was zwangsläufig wieder zu diesem sozialistischen Feindbild führt, sagt man einfach, macht doch was ihr wollt. DAS ist genau die Strategie, wie man wiedergewählt wird. Das sehen wir ja schon an Frau Merkel: Wenn einem da was nicht schmeckt, sagt man einfach gar nichts oder man redet von „wir“ oder „Deutschland“, auch wenn man damit eigentlich gar nicht die arbeitende Bevölkerung meint, und schon finden einen alle toll. „Die Fläche gehört nicht der Stadt, also geht uns das nichts an“ und wenns der Stadt gehört, dann müssen wirs verkaufen, weil die Kassen leer sind.
    Und wenn der Globus dann irgendwann die Schnauze voll hat, weil der Absatz doch nich so hoch is, dann geht er einfach woanders hin. So machen die das nämlich im Westen auch. Und dann haste da wieder ne Leiche stehen. Und dann kannste als Linker sagen „naja, ich wars nich, ich hab mich ja enthalten. Ich konnte ja nich riskieren, mich ins politische Abseits zu manövrieren, da hätte ich ja sonst FDP-Mitglied werden müssen. Kann ich auch nix für, dass Dresden jetzt wieder ma n bisschen scheisser aussieht als vorher. Der Wähler is schuld, weil wir nich an der Macht sind.“
    Ich glaub, das nächste Mal wähl ich rechts, was soll man denn sonst machen? Je schneller wir unser Geld in der Wirtschaft verbrennen, desto schneller landen wir wieder bei maximaler Arbeitslosigkeit, Ausfall der Kaufkraft, Rezession, Krieg, Bombardierung und „nie wieder Nationalsozialismus“, denn bevor nicht wieder einheitlich in der Bevölkerung son Schnauze-voll-Feeling vorhanden ist, brauchen wir uns ja auch keine Gedanken über ne ordentliche Linke machen, die für ihre Grundsätze gerade steht. Sowas hinterfotziges!
    „Zu guter Letzt will ich noch anmerken: Niemand wird gezwungen sein,“ die Linke zu wählen. „Wir können anders“ – ich sehs: „wir können gar nich“ wär n besserer Slogan.

  • E-Haller sagt:

    Ich habe mir die Argumentation mal durchgelesen und muss sagen: Sie machen es sich vielleicht doch etwas zu einfach, Herr Kießling.
     
    Ihre erste Aussage („diesmal bin ich dafür, weil dagegen sein in der Vergangenheit ja nix gebracht hat…“) lasse ich Ihnen, freue mich aber schon auf den Einzug dieser Herangehensweise auf Bundesebene – z.B. wenn der nächste Krieg, Tschuldigung, die nächste „Verteidigung der Freiheit“ am was auch immer ansteht…
     
    Zum Zweiten: ja, natürlich mag man keine „Luxuswohnungen“ am Hafen. Aber machen wir uns nix vor: eine Wohnung mit Blick auf die Elbe/ Canaletto/ das grüne Ostragelände wird wohl von Niemandem zum sozialen Wohnungsbau entwickelt werden. Andererseits würde durch die Bebauung an der prominenten Stelle am Elbufer ein Impuls ausgelöst – für die Entwicklung eines innenstadtnahen, verkehrsarmen Wohnquartiers. Da die Zahl derjenigen, die sich in Dresden Luxuswohnungen leisten können, begrenzt ist, dürfte die dann anzuwendende Formel lauten: mehr Wohnungen = größeres Angebot = sinkende oder zumindest stagnierende Preise (vermutlich auch eine linke Zielstellung).
     
    Jetzt zum eigentlichen Klops Ihrer Argumentation. Elbepark als Hauptleidtragender – da gehe ich noch mit. Aber auch noch „alle unspezifischen Supermärkte mit Parkplatz entlang der Hauptverkehrsstraßen“ als „politisch nicht besonders schützenswert“ einzuordnen – wo bitte leben Sie denn? Ja, Netto, Lidl oder Rewe haben Parkplätze – aber nicht ganz zufällig (!) befinden sich diese Läden auch noch nahe der umliegenden Wohnbebauung. Mein autoloses Leben wird mir z.B. auch dadurch ermöglicht, dass ich in fußläufiger Entfernung diese Läden habe.
     
    Meine Oma kann im Hechtviertel mit dem Rollator noch ins Netto schieben – eine Distanz auf Hin- und Rückweg, die sie im Globus zum Holen ihrer 10 Sachen nur zwischen Eingang, Regalen und Kasse zurücklegen müsste. Wenn sie da noch irgendwie hinkäme… Sie ist stolz auf diese, ihr verbliebene Selbständigkeit. Ich werde es ihr später so erklären: Dein Belang war „politisch nicht schützenswert“.
     
    Diese – von Ihnen zum eigentlichen Feind stilisierten – Läden sind DEZENTRALE Versorgungseinheiten für die gerade Nicht-so-Wahlfreien Bewohner in den Wohngebieten. Die Märkte mal eben aufzusummieren unter dem Motto „10 Kleine ergeben doch auch den einen Großen“ ist demnach einfach mal zu kurz gedacht. Ohne das Programm der Linken jetzt im Detail zu kennen: Schlagworte wie „Teilhabe“, „Durchmischung“, „verkehrsarme Fortbewegung“ und „Stadt der kurzen Wege“ würde ich finden, oder?

    Sie schreiben: „Erstaunlicherweise hielt sich aber die vernehmbare Kritik an den erheblichen Ausweitungen der Handelsfläche von Lebensmitteldiscountern kleinerer und mittlerer Größe stark in Grenzen.“. Mmmmh – warum wohl? Vielleicht, weil die Leute, die sich damit auskennen, in diesen Märkten tatsächlich kein (großes) Problem sehen?

    Weiter: wenn Sie die Sorge der Läden in der Neustadt nicht teilen können, dann liegt es vielleicht daran, dass Sie noch nie einen Fuß in einen Globus gesetzt haben. Würde ich nie Jemanden zum Vorwurf machen – außer eben einem Politiker, der eine gewisse Verantwortung für die Entwicklung seiner Stadt hat. Zur Erhellung: im Globus gibt es eben nicht nur Lebensmittel, sondern auch Bücher, Fahrräder, Haushaltwaren, Klamotten, Schulbedarf, Lederwaren (Ranzen, Schuhe), Heimelektronik… Es geht eben nicht ausschließlich um ein Angebot, dass vergleichbar im Edeka oder Konsum oder Rewe zu haben ist! Aber zufällig in einer Reihe kleinerer Läden in der Neustadt oder Pieschen.
     
    Natürlich wird nun niemand, der nur ein Buch braucht, statt zur Buchhandlung X in der Neustadt extra ins Globus fahren. Aber: vielleicht nimmt der Kunde sich während des „Vorratseinkaufes“ das Buch aus dem Globus einfach mit – „weil ich eh gerade hier bin“. Spart sich damit den Weg in den Buchladen – „nächstes Mal wieder…“. Setzen Sie für Buch ein: Fahrrad/ Topf/ Hose/ Schreibwaren/… Ob sich die kleinen Läden diesen Abzug an Euros auf Dauer leisten können – ich bezweifle es.

    Sie unterschätzen dann noch etwas den Einzugsbereich des Globus. Es geht nicht darum, ob es unmittelbare Nachbarn gibt, die bislang in den Konsum gegangen sind – der Einzugsbereich dieses Marktes ist locker im 30-km-Radius zu ziehen! Die damit zusammenhängenden Verkehrsprobleme als „weit hergeholt“ mal eben unter den Tisch zu kehren: Glückwunsch, dass nenn ich jetzt mal sachgerecht argumentiert… Spätestens seit der Waldschlösschenbrücke dürfte der letzte Ignorant verstanden haben, dass nicht die Straßen, sondern die Kreuzungen das eigentliche Problem sind. Und derzeit schon kaum leistungsfähige Kreuzungen auf engstem Raum haben wir im Umfeld Hansastraße – Eisenbahnstraße – Antonstraße – Leipziger Straße genug…

    Über die Ausdünnung der Versorgungslage im ländlichen Raum muss ich jetzt nicht auch noch referieren – und vielleicht denken Sie jetzt auch zurecht, dass „die da draussen“ ja selber Schuld sind, wenn sie jetzt lieber sonstwohin gondeln, statt lokale Versorger zu unterstützen (auf die sie dann im Alter auch ohne Auto zurückgreifen zu können). ABER: als Politiker mit Weitblick sollten Sie denen vielleicht auch etwas auf die Sprünge helfen!?

    Zu Ihrem Schlusswort: wenn es die Alternativen nicht mehr gibt, weil sie dem Druck nicht mehr standgehalten haben, dann wird es wunderschön sein, darin einzukaufen…

    Vielleicht denken Sie mal drüber nach. Vielleicht schauen Sie sich mal einen Globus von innen an. Vielleicht sprechen Sie mal mit einem Stadtplaner in Zwickau oder Hoyerswerda über die Auswirkungen derer Globusmärkte. Vielleicht stellen Sie sich mal neben einen Netto auf der Leipziger und zählen die Einkäufer mit dem Auto und denen zu Fuß/ mit dem Rad.

    Und: vielleicht machen Sie sich auch mal Gedanken über Ihre politische Ausrichtung: Die FDP ist ja fast auf ähnlich liberalen Pfaden unterwegs… Die von Ihnen geäußerten „Argumente“ jedenfalls sind weit weg von dem, was ich bislang unter den „Linken“ eingeordnet habe.

    Im Stadtrat hätten Sie und Ihre 4 Freunde jedenfalls die Chance gehabt, diesen Wahnsinn – vielleicht auch nur vorerst – zu verhindern…
     
    Danke.

    • Tilo Kießling sagt:

      nun, eine reihe von argumenten, die sie anführen scheinen sich aus der vorher festgelegten kontra-perspektive zu ergeben. andersherum wäre es besser.
      ich nehme nur einmal das beispiel mit dem buch, dass man sich dann einfach so mitnimmt. genau so ist es, sonst würden ja auch in den jetzt schon vorhandenen großmärkten solche dinge nicht verkauft. sie mißverstehen meine argumentation aber offensichtlich, möglicherweise gar absichtlich. eine negative folge träte nur dann ein, wenn nun neue kunden in den globus-markt fahren, die vorher keinen großmarkt besucht haben. genau das aber wird nicht eintreten. globus statt elbepark, real in heidenau oder tesco in decin wird die entscheidung sein. ich empfehle ihnen einmal einen spaziergang auf der borsbergstraße. trotz des dort angesiedelten kaufland-marktes mit einem umfänglichen industriewarenanteil sind alle läden der ladenzeile vermietet und lebendig. und zwar nicht mit billigangeboten und in irgendwelchen notvermietungen, sondern mit ordenlichem fachhandel. ja, auch ein buchladen findet sich dort.
      und nein: ich halte trotz ihrer rollator-oma-argumentation die supermärkte mit parkplatz nicht für schützenswert. selbstverständlich gibt es bei jedem einzelnen einige anwohnerinnen und anwohner, die genau diesen markt für notwendig halten. trotzdem wird immer wieder genau im einzugsbereich dieser märkte konkurrenz zugelassen. wo war ihre empörung angesichts des neuen edeka an der großenhainer straße, wo doch gleich in der nähe ein netto ist, ein konsum, lidl auch nicht so weit weg und der dm im neustädter bahnhof zu gunsten dieses neuen sein geschäft aufgegeben hat? haben sie empört reagiert, als der rewe an der bautzner öffnete, obwohl er doch den netto an der kamenzer und den konsum an der alaunstraße bedroht? die oma mit dem rollator kann nicht vom einen in den anderen laden umschwenken, aber offenbar war ihnen das in diesen fällen egal. oder haben sie es nur nicht bemerkt, weil die jeweiligen konkurrenten schwiegen, im gegensatz zum globus jetzt?
      ihre vermutung die wohnungsbebauung betreffend geht vollkommen fehl. unter den bedingungen eines wohnungsmangels führt der bau von wohnungen im gehobenen segment zu kettenumzügen, die jeweils mit exorbitanten mietsteigerungen bei der neuvermietung verbunden sind. eine erhöhung des mietnieveaus wäre die folge, keine senkung. die träte erst ein, wenn der wohnungsbedarf insgesamt gedeckt ist.
      die verkehrsfrage ist und bleibt spannend. problematisch scheinen mir hier nicht die kreuzungen, sondern die die durchflussbegrenzenden bahndammunterführungen zu sein. diese verursachen nämlich gegenwärtig den rückstau. ob und wie hoch hier die zunahme ist und wie dies durch bauliche oder verkehrsorganisatorische maßnahmen zu lösen ist wird sich zeigen. sie vermuten eine unlösbarkeit. das sei ihnen gegönnt. ich vermute dies nicht.
      zum ende: wenn sie unter links bisher eine rein ideologisch determinierte ablehnungspolitik eingeordnet haben unterlagen sie einem irrtum.

      besten dank zurück.

    • nepumuk sagt:

      aber wir haben doch viel ETW-neubau stadtweit, also flächig, einige wohnungen am globus beeinflussen unseren markt nicht wirklich. ein verzicht auf diese wohnungen hat also auch keine auswirkung. durch den bau von wohnungen dort kommen wir aber ihrer genannten marktsättigung schneller näher. das mit den kettenumzügen sollte für dresden nicht mit trend- oder allgemeinaussagen sondern anhand der hier meist niedrigen zahlen solcher fälle direkt benannt werden: da gehts eigentlich immer so um größenordnungen im zig- bzw. hunderterbereich. ich kürze hier mal ab: nur so viel: kießlings wohnungsargumente sind nicht haltbar. sie können richtiggestellt werden.

      • Tilo Kießling sagt:

        also nochmal, damit sichs denn auch ewig im kreise drehe: ich denke, aus einer wohnbebauung folgt ein gentrifizierungsdruck für die beanchbarten dicht besiedelten und im moment noch relativ preiswerten quartiere. und es wird kein preisgünstiger wohnungsbau sein. daher ist er mir nicht symphatisch, mehr habe ich dazu nicht gesagt. hätte es einen investor gegeben der das gelände gekauft und masterplantreu gebaut hätte wäre ich sicher nicht dagegen gewesen. das ist aber nicnht passiert, warum auch immer. gekauft und ein vorhaben entwickelt hat ein anderer, und in dem fall habe ich mich enthalten. alles andere hier sind nebeldiskussionen.

  • nepumuk sagt:

    ich stell auch meinen text von gestern nochmal hier rein, mir geht die ganze diskussion am eigentlichen vorbei. in den diskutierten punkten ist globus tatsächlich weniger eine gretchenfrage, wenn auch mE dennoch eine. aber die diskussion läuft nur oberflächlich um handel, um verkehr, theoretisch ums wohnthema usw., also alles themen, die normale bürger hier interessiert und was in der lokalpresse steht. vielleicht wird durch meinen text von gestern klarer, um was es hier geht. dazu hätt ich auch gern die meinung von herrn kießling.

    nepumuk sagt:
    11. März 2014 um 23:25

    ich fasse nochmal zusammen: globus ist extrem überdimensioniert und das gesamtgelände unadäquat und falsch geplant. die dezentralen versorgungs(super)märkte werden geschwächt, die funktionalität der beiden großen gründerzeit-stadtteile untergraben, die neuen großcenter (parkhaus-rewe, beide neue edekas) sowie die neustädter konsume in frage gestellt, die abschöpfung von kaufkraftabsaugung bestenfalls ins umland verschoben, wo dann die händler im ohnehin schon strukturschwachen ländlichen raum zumachen und tatsächlich die nahversorgung gefährdet sein kann.

    globus steht für vergangenheit, die energie- und raumfressende, umweltschädigende stadtstruktur, für einen widerspruch zu allen zielstellungen der stadt, gegen die wirtschaftsförderung, gegen die handelskammer, gegen die architektenkammer, gegen alle lokalvertretungen, gegen die relativ unabhängigen gutachten, gegen jahrelange amtsarbeit und gegen wohl die mehrheit der hier mündigen bürgerschaft. diese grauenvolle planung schafft keinerlei attraktiven stadtraum und ist ein lehrbuchhafter städtebaulicher supergau. keine andere großstadt lässt solch eine gau zu.

    globus verspricht durchgehend dinge, die nicht notwendig bzw. unrealistisch sind, wie eine angebliche “rettung” nur eines altbauteils, wo keine gefahr in verzug ist. ausbauten von strassen und haltestellen sind ohne globus überflüssig. eine zickzack-wegebeziehung über einen riesenparkplatz ist keine attraktive verbindung zum elbufer, die nutzung der bahnbögen wird mE nicht funktionieren und scheitern, einige der versprechungen werden ohnehin nach endgültiger genehmigung “leider” kassiert.

    das problem stellt also einerseits die ansiedlung eines weiteren großmarktes dar – verschärft durch eine kritische verkehrsabwicklung, andererseits aber vor allem dieser grobschlächtige gesamtentwurf für diese prominente lage. bisher zeigten deren verantwortlich keinerlei anstalten, nur irgendeine grausamkeit abzumildern. dort können viel mehr verbesserungen erzwungen werden, zB die halle nach vorn, der parkplatz nur als TG. die jetzige planung ist zwingend abzulehnen.
    das projekt verhindert bessere nutzungen und ein vielfaches an derzeit absehbaren investitionen. das arbeitsplatz-argument ist im endsaldo kaum noch von bedeutung. alle weiteren negativaspekte lass ich hier der kürze wegen aus.

    richtig ist, dass ein solcher konkurrent im mono-besetzten dresdner einzelhandel wünschenswert ist, allerdings nicht um jeden preis und SO nicht in jeder lage. wenn sie dort bauen wollen, dann innerstädtisch adäquat und zukunftsfähig strukturiert. wenn sie dies nicht wollen, dann bliebe nur noch ein alternativangebot eines standorts zB in seidnitz (ex-max-bahr, ex-marktkauf) mit ähnlich günstigen rahmenbedingungen und wachsender bevölkerung. beide umplanungen wären gesellschaftlich fähig zur genehmigung, alles andere nicht. die kröte eines weiteren großmarktes würde geschluckt, zumal es auch sonst im normalen aufkommen und wegsterben von supermärkten den für den kunden besseren überleben lässt. permanent modernisiert sich das angebot, der wechsel ist stetig. im südosten dresdens wären die auswirkungen allerdings wesentlich geringer. genug platz gibts jetzt dort, zwei riesenmärkte haben geschlossen, da darf es kein tabu einer neuplanung geben. globus hat die wahl und muss der stadt endlich entgegenkommen. ansonsten gibt es keine ansatzweise gute lösung und dann hat jeder verantwortliche stadtrat dieses projekt am leipziger bahnhof abzulehnen.

    persönliche nebenbemerkung aus aussensicht:
    vermutlich ist bereits durch die letzte stadtratsentscheidung der ohnehin nur dünne faden der zusammenarbeit mit der ausführenden und doch mächtigen verwaltung endgültig zerrissen. die planungsämter erscheinen nun als abgeschaffbar. etwaiges vertrauen ist zerrüttet. dieser stadtrat kann sich als folge auf eine noch stärkere blockierung sämtlicher angelegenheiten durch die verwaltung einstellen. damit erwächst sich der gesamtschaden für die stadt als funktionsgebilde ins uferlose. das sollten unsere stadträte berücksichtigen. sie schweben ja nicht im luftleeren raum.

    • Tilo Kießling sagt:

      ich fasse nochmal zusammen: globus ist extrem überdimensioniert reine persönliche wertung und das gesamtgelände unadäquat und falsch geplantebenso . die dezentralen versorgungs(super)märkte werden geschwächt wie bei jedem neubau eines supermarktes und vor allem beim bau der in der summe viel flächenreicheren supermärkte der vergangenen zeit , die funktionalität der beiden großen gründerzeit-stadtteile untergraben habe ich widerlegt. wird durch eifriges behaupten nicht wahrer, die neuen großcenter (parkhaus-rewe, beide neue edekas) sowie die neustädter konsume in frage gestellt vor allem der edeka am albertplatz, der eine reale gefahr für die äußere neustadt darstellt, die abschöpfung von kaufkraftabsaugung bestenfalls ins umland verschoben, wo dann die händler im ohnehin schon strukturschwachen ländlichen raum zumachen und tatsächlich die nahversorgung gefährdet sein kann möglich. aber nicht bestandteil der dresdner kommunalpolitik. zudem müssten dies die träger öffentlicher belange geltend machen, mal sehen, ob das noch passiert..

      globus steht für vergangenheit, die energie- und raumfressende, umweltschädigende stadtstruktur das ist eine rein politische wertung, der sich die 7 stadträtInnen unserer fraktion angeschlossen haben, die mit nein gestimmt haben.ich bin anderer ansicht., für einen widerspruch zu allen zielstellungen der stadtnun nuicht gegen alle. aber der zielkonflikt zwischen rahmenzielen und einzelvorhaben ist immer da. und ob diese zielstellungen der stadt nun umfangreich und basisdemokratisch legitimiert sind steht auf einem anderen blatt. ich will das nicht weiter bewerten, aber so lange die großmärkte ganz offensichtlich ausreichend kundschaft haben scheinen sich ja manche der zielstellungen mit den wünschen und bedürfnissen dieser menschen nicht ganz zu decken. das kann man übergehen oder ernst nehmen. da entscheidet sich offensichtlich jeder anders. und, gegen die wirtschaftsförderung , gegen die handelskammer, gegen die architektenkammer, gegen alle lokalvertretungen, gegen die relativ unabhängigen gutachten,die ich für wesentlich beeinflusst halte durch die konkurrenz von globus gegen jahrelange amtsarbeit ja und gegen wohl die mehrheit der hier mündigen bürgerschaft eine reine behauptung. und ein ziemlich bescheuertes selbstlob: wer nicht gegen globus ist ist irgendwie nicht teil der mündigen bürgerschaft? übler elitarismus, kollege nepomuk.. diese grauenvolle planung schafft keinerlei attraktiven stadtraum geschmäcklerischer unfug. für viele wird es da attraktiv sein. ob es ihnen nun gefällt steht auf einem anderen blatt. wenn globus es dort nicht attraktiv macht geht nämlich keiner hin… und ist ein lehrbuchhafter städtebaulicher supergau. das mag sein. das leben aus der lehrbuchperspektive! keine andere großstadt lässt solch eine gau zu. weiss ich nicht, haben sie es geprüft?

      globus verspricht durchgehend dinge, die nicht notwendig bzw. unrealistisch sind, wie eine angebliche “rettung” nur eines altbauteils, wo keine gefahr in verzug ist. ausbauten von strassen und haltestellen sind ohne globus überflüssig. eine zickzack-wegebeziehung über einen riesenparkplatz ist keine attraktive verbindung zum elbufer, die nutzung der bahnbögen wird mE nicht funktionieren und scheitern, einige der versprechungen werden ohnehin nach endgültiger genehmigung “leider” kassiert. na logisch. wenn es globus nicht geben wird sind die genannten dinge alle nicht notwendig. das ist tautologisch.

      das problem stellt also einerseits die ansiedlung eines weiteren großmarktes dar – verschärft durch eine kritische verkehrsabwicklung, das problem für die gegner. nicht für die befürworter. und nicht satrk genug für die sich enthaltenden. andererseits aber vor allem dieser grobschlächtige gesamtentwurf für diese prominente lage. bisher zeigten deren verantwortlich keinerlei anstalten, nur irgendeine grausamkeit abzumildern. dort können viel mehr verbesserungen erzwungen werden, zB die halle nach vorn, der parkplatz nur als TG. die jetzige planung ist zwingend abzulehnen. die verantwortlichen haben in einem ewig langen dialog mit der verwaltung fast alle forderungen aufgenommen und eingebaut. natürlich kann man immer noch ein paar dazutun. diese argumentationslinie lässt sich bis ins unendliche ziehen, und ich vermute mal, egal wie weit globus ihnen entgegenkäme sie wären eigentlich immer dagegen.
      das projekt verhindert bessere nutzungen das gilt für jedes beliebige projekt: alles was realisiert wird verhindert damit noch besseres. reines wortgeklingel! und ein vielfaches an derzeit absehbaren behaupteten investitionen. das arbeitsplatz-argument ist im endsaldo kaum noch von bedeutung. das war auch nie mein argument! alle weiteren negativaspekte lass ich hier der kürze wegen aus.

      richtig ist, dass ein solcher konkurrent im mono-besetzten dresdner einzelhandel wünschenswert ist, allerdings nicht um jeden preis und SO nicht in jeder lage. wenn sie dort bauen wollen, dann innerstädtisch adäquat und zukunftsfähig strukturiert. wenn sie dies nicht wollen, dann bliebe nur noch ein alternativangebot eines standorts zB in seidnitz (ex-max-bahr, ex-marktkauf) mit ähnlich günstigen rahmenbedingungen und wachsender bevölkerung. beide umplanungen wären gesellschaftlich fähig zur genehmigung, alles andere nicht. die kröte eines weiteren großmarktes würde geschluckt, zumal es auch sonst im normalen aufkommen und wegsterben von supermärkten den für den kunden besseren überleben lässt. permanent modernisiert sich das angebot, der wechsel ist stetig. im südosten dresdens wären die auswirkungen allerdings wesentlich geringer. genug platz gibts jetzt dort, zwei riesenmärkte haben geschlossen, da darf es kein tabu einer neuplanung geben. globus hat die wahl und muss der stadt endlich entgegenkommen. ansonsten gibt es keine ansatzweise gute lösung und dann hat jeder verantwortliche stadtrat dieses projekt am leipziger bahnhof abzulehnen. was jeder aus ihrer sicht „verantwortliche“ stadtrat. und ein wenig klingst nach floriansprinzip. wenn globus wie sie oben beschreiben so schlimm ist und aus dem umland und seiner umgebung alles schöne und nützliche stören und zerstören wird trifft dies allerdings für jeden standort in dresden zu.

      persönliche nebenbemerkung aus aussensicht:
      vermutlich ist bereits durch die letzte stadtratsentscheidung der ohnehin nur dünne faden der zusammenarbeit mit der ausführenden und doch mächtigen verwaltung endgültig zerrissen. die planungsämter erscheinen nun als abgeschaffbar. etwaiges vertrauen ist zerrüttet. dieser stadtrat kann sich als folge auf eine noch stärkere blockierung sämtlicher angelegenheiten durch die verwaltung einstellen. damit erwächst sich der gesamtschaden für die stadt als funktionsgebilde ins uferlose. das sollten unsere stadträte berücksichtigen. sie schweben ja nicht im luftleeren raum. dieser stadtrat war nie und ist kein homogenes gebilde, mit dem „die verwaltung“, deren homogenität ebenfalls eine reine fiktion ist, funktional zusammenarbeitet. insofern beschreiben sie die zusammenarbeit zwischen rat und verwaltung erschreckend simplifiziert.

  • nepumuk sagt:

    ich muss leider feststellen, dass sie meine aussagen weitgehend nicht verstehen. ihre textauswertung ist zudem klar von fehlannahmen durchsetzt. die argumente sprechen deutlich gegen ihre bisherige haltung. substanzielle gegenargumente kommen nicht. sie denken noch immer nur um globus herum, ihre denke bleibt im trivialbereich, dabei machte ich doch klar, dass es nicht um den weiteren großmarkt geht. es kann nicht jeder ausreichend fachkenntnis von allen dingen haben, das ist auch nicht schlimm, dilemma eines jeden stadtrats ist bestimmt die unmöglichkeit, je nach thema an wirkliche aufklärung zu kommen. überall trifft man wiederum auf einzelmeinungen. ich bin stadtplaner und verkehrswissenschaftler und habe eine gute übersicht über das baugeschehen vieler großstädte in deutschland. sie verstehen nicht was ich sage. dieses medium hier ist auch überhaupt nicht geeignet, zu einer überzeugenden darstellung beiderseits zu kommen. insofern bleibt mir nur darauf hinzuweisen, dass wenn glasklar ist, wie die abwägung kraft der argumente letztlich ausgeht, sich der (ggf fachferne) politiker dem beugen muss, alles andere ist eben nicht „verantwortlich“. hier ist die sachlage klar. auch ich habe nichts gegen globus, doch hier gehts um dieses konkrete großprojekt in dieser art und weise. dieses ist SO abzulehnen. globus stehen alle türen offen, die stadt zu bereichern, auch am leipz. bahnhof, es kostete nur etwas mehr zeit. ich danke ihnen, lieber herr kießling, für ihre verschiedenen antworten. ich denke, letztlich käme auch ein direktes gespräch nur bei den urgründen differenter lebenseinstellungen, stadtvorstellungen und gar weltinterpretationen raus, die die gegenseite nicht zu überzeugen vermag. so ist der mensch mit seinen makeln gestrikt, so sieht die welt auch aus. dann bleiben sie eben bei ihrer meinung, die wahrhaft nur persönliche meinung bleibt. hoffentlich führen sie ihre dresden-gäste dann zukünftig zu allererst durch die heiligen globus-baracken und den wunderschönen parkplatz. falls sie nach berlin weggehen, dann bitte ich, uns armen zurückbleibenden nicht noch diesen klops ins nest zu setzen, den sie dann nicht mehr sehen müssen.

  • Begeisterung geht anders sagt:

    ihre enthaltung bei der abstimmung zum globus- projekt ist für mich enttäuschend. mein zukünftiges wahlverhalten bezüglich ihnen und ihrer partei >>die linke<< können sie sich ausmalen. bitte befragen sie die menschen in ihrem wahlkreis mehr zu deren meinung und vertreten nicht nur starr ihren standpunkt.

  • Begeisterung geht anders sagt:

    briefwahl. laut wahl-o-mat hätte ich >>die linke<< wählen sollen. grußi & schönes leben noch in ihren kapitalistischen konsumtempeln

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