22.09.2013, 16.30

22. September 2013  Allgemein

Also, ihr alle da an den Lesegeräten: Danke fürs Mitdenken, Mitlachen, Mitfiebern, für die Hilfe und Aufmunterung. Gestern war noch einmal Großeinsatz, Ein Stand mit Kaffee und Kuchen als Mind-Opener (oder Mouth-Opener?) am Sachsenplatz und einer am Albertplatz mit durchaus interessanten Gesprächen, zudem noch eine Handreichung an der Menschenkette zum symbolischen Schutz des Freiraum Elbtal gegen die Kommerzbebauung. Heute war: chillen. Und jetzt rappelt und zappelt es vor meiner Bürotür im Haus der Begegnung, die Wahlparty wird vorbereitet. In einer halben Stunde geht sie los. Gemächlich. Es werden auch der Landesvorsitzende und die Landesgeschäftsführerin erwartet, eine Liveschaltung nach Berlin zu Katja Kipping ist vorgesehen, und am Ende dann Musik und Tanz so lange die Puste der Gäste und des DJs reichen. Kommt vorbei. Und tröstet uns oder feiert mit uns. Übrigens: Ab morgen ist Kommunalwahlkampf.

20. 09. 2013

20. September 2013  Tagebuch

Was hab ich schlechte Laune!

kaffeeensatz

Am Dienstag haben wir etwas betrübt festgestellt, dass die Zeitungen der Stadt zwar die KandidatInnen der anderen Parteien in Portraits darstellen, uns aber anscheinend vergessen haben. Nachdem wir bei der Sächsischen Zeitung nachgefragt haben kam dann doch noch ein Termin zu Stande: Wir verteilen Kaffee am Morgen am Postplatz und schwatzen etwas mit den Leuten. Der Journalist, der den Artikel schreibt, stellt Katja ganz zu Recht als fleißig, mich aber als besonders faul und desinteressiert dar. Nicht, dass ich begeistert an Wahl- oder Infoständen bin: das ist sehr selten der Fall. Beim Hechtfest war es so, falls jemand da vorbeigekommen ist und mich gesehen hat. Aber zum jammern neige ich nun auch nicht.

Mein Wahlblog hier heißt „… versuchen wir das Unmögliche!“, und warum diesen Wahlkreis zu gewinnen eigentlich unmöglich ist hab ich dem jungen Herrn vorgerechnet. Weil der Stimmenabstand zwischen Arnold Vaatz und den zweitplatzierten PDS- bzw.LINKE-Kandidaten in den vorangegangenen Bundestagswahlen bei ca. 15.000 Stimmen lag, die nur unter besonders günstigen Umständen für uns zu gewinnen sind. Aber seien wir Realisten und versuchen es dennoch! Dazu habe ich ihm erklärt, dass wir eine Langzeitstrategie haben, weil man Wählerinnen und Wähler eben nicht mal so einfach in den letzten Tagen vor der Wahl mit einem Kuli und einem Feuerzeug bestechen kann, sondern durch seine Arbeit über Monate und Jahre gewinnen muss. Und dass ich lieber auf Podien und in Gesprächsrunden bin, und dass ich es für einen Skandal halte, dass in sächsischen Schulen keine Erstwählerforen gemacht werden dürfen. Und dass ich es bedaure, dass so wenige Verbände und Institutionen zu Diskussionsrunden eingeladen haben. Und ich hab ihm mein Menschenbild erklärt: das ich überzeugt bin, das fast alle Menschen wissen, wen sie wählen werden, aber darüber einfach nicht so gern diskutieren. und dass aus dieser Sicht heraus bei einem Infostand eben zum allergrößten Teil Menschen vorbeilaufen, die einen nicht wählen werden. Bei 50% Wahlbeteiligung und 20% Parteiergebnis ist es nun einmal statistisch nur jeder Zehnte. Von 100, die vorbeilaufen, sind 10 Menschen für uns aufgeschlossen. Das ist nicht schlecht, aber die 90 Ablehnungen sind natürlich nicht einfach zu ertragen. Er hat verstanden: ich erreiche an einem Infostand nur 10 Leute. Nö, so isses nich. Das hängt nämlich von der Dauer des Einsatzes ab. Und man kann nur mit einem Menschen gleichzeitig reden. Vielleicht hätte er gern gesehen, wie ich voller Eifer versuche, Leute zum wählen gehen zu bewegen. Oder ich habe ihn einfach überfordert mit meinen Annahmen. Und er hat nicht bedacht, dass Menschen von Katja vielleicht viel lieber einen Kaffee annehmen als von mir.

Der Artikel ist bei der SZ hinter der Bezahlschranke, deswegen gibts hier keinen Link. Und nun ist es auch genug mit dem Ärger.

Heute wurde mein Wahltalkvideo bei Dresden-Fernsehen veröffentlicht. Bildet euch bitte selbst ein Urteil. Ich bin ganz zufrieden, aber bis zum Vollblutparlamentarier wäre es dann doch noch ein ganzes Stück. Vielleicht mehr Unhaltbares versprechen? Mögen die Menschen sowas?

Am Abend heute fand dann die Podiumsdiskussion in der Handwerkskammer statt. Eine sehr schöne Runde, offen und konfrontativ, ich fand mich nicht so schlecht. Natürlich sind Handwerkerinnen und Handwerker herzenskonservative Menschen, und ich meine dies durchaus im positiven Sinne. Ich würde ja gern mal Handwerkerinnen und Handwerker kennen lernen, die LINKE wählen. Schon, um unser Kommunalwahlprogramm gut vorzubereiten wäre das eine spannende Sache. Insbesondere die Angst der Gewerke, die jetzt weit von 10 Euro Mindestlohn entfernt sind kann ich nachvollziehen. An dieser Stelle wird auch nach den Wahlen Erklärungsbedarf bleiben.

Das Bild hab ich bei Ralf Hron gemopst, der als DGB-Chef im hiesigen Sprengel auch in der Handwerkskammer Mitglied ist. Ich hoffe er nimmts mir nicht krumm und ist mit einer Tasse Kaffee als Entschädigung einverstanden, wenn er es mitbekommt.

hwk

 

Zum Ende noch, weil dies der vermutlich vorletzte Eintrag zur Bundestagswahl sein wird: Was meint ihr, soll ich diesen Blog weiterführen? Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen, danach Landtagswahlen, obwohl ich da eigentlich nicht kandidieren will. Lasst es mich einfach mal wissen!

 

 

 

 

15.09.2013

16. September 2013  Tagebuch

Heute war Angela Merkel in Dresden. Ich bin nicht hingegangen. Ob sie wohl etwas Neues erzählt hat? Und eine Drohne ist knapp neben sie gefallen. Bald wird es zur Grundausrüstung von Großveranstaltungen gehören, solche Fotodrohnen eliminieren zu können. Schöne neue Welt.

Am vergangenen Freitag war unsere Kochshow in Radeberg. Das Konzept besteht darin, dass Peter Porsch und Stefan Hartmann zusammen hinter einem LINKE-Stand Essen kochen und verschenken und dabei lustige Dinge erzählen. Also das Konzept für überall. In Radeberg wurde es auch so gut es geht eingehalten, allerdings war der erste wartende Kunde am Stand der Kollege Ministerpräsident Tillich. Zwar hatten sich die Kochkünste meiner führenden Genossen, zu denen sich hier auch noch der Landesvorsitzende Rico Gebhardt und die Landesgeschäftsführerin Antje Feiks hinzugesellten, offenbar bis in die Staatskanzlei herumgesprochen. Aber der MP ist der lebendige Beweis dafür, dass sich die Menge der SuppenkundInnen nicht mit der potentieller WählerInnen deckt.

Arnold Vaatz hingegen, ebenfalls anwesend, lenkte den Blick weg von den kulinarischen Verführungen und wurde später, Fotobeweise sind vorhanden, am Pferdewurststand gesehen.

dialogüberparteigrenzen

Ich habe, nachdem eine Ungeschicklichkeit mich einen Kaffeefleck auf dem Hemd hat produzieren lassen, als Sichtschutz die Kochschürze übergeworfen und mich in parteiübergreifende Gespräche gestürzt. Immerhin konnte ich die gute Frau, wenn schon nicht überzeugen, so doch verwirren und sie hat entsprechend reagiert und von ihren Opfern abgelassen und mit mir geredet. Unter ihren Schirm konnte ich nicht schlüpfen: die CDU-Sonnenschirme sind offenbar vom selben Produzenten wie unsere und einfach zu niedrig für mich.

Vorgestern hatte die LInksjugend zum Brunch eingeladen, besser zur Brunchtour. Das Konzept war ähnlich dem der Kochtour, nur dass die Leckereien fürs Volk unaufwendiger zu Hause produziert wurden und nur als Lockmittel für Gespräche dienten. Diese Tour ging drei Tage lang, und voller Pflichtbewusstsein hatte ich mich an dem Termin, der gnädigerweise in meinen Wahlkreis gelegt wurde, beteiligt. Der Stand war neben dem Elbamare, an der Haltestelle Merianstraße, aber in einem Seitenweg. Alles sehr chillig, sehr freundlich, sehr angenehm. Trotzdem bin ich mit einem der netten jungen Genossen dann zum Kinderfest der Freiwilligen Feuerwehr Gorbitz gegangen. Volles Haus dort, Respekt! Und Danke an den Wehrleiter Ingo Bauernfeind, der unkompliziert eine Führung durch das Gebäude ermöglichte.

Am Sonntag hab ich mit Freundin und Kind den Wahlkreis in Gänze durchmessen, um sowohl das Leutewitzer Mühlenfest, das unmittelbar daneben gelegene Familienfest und dann das Hochlandfest in Schönfeld zu besuchen. Während das Familienfest, als Spätsommerfest angekündigt, nach eigener Lesart der SPD ein Fest ihres Ortsverbandes West ist waren die von mir befragten BürgerInnen und Vereine der Meinung, es handle sich eher um ein traditionelles Fest, in das sich die SPD hereingedrängelt habe. Wie dem auch sei: die zweite Interpretation ist mir die angenehmere.

Im Hochland war allerdings deutlich mehr los, auch sehr hübsche Attraktionen wurden dort gezeigt. Retroautos mit Elektroantrieb, in denen Kinder herumfahren konnten. Wunderbar! Vermutlich war da der TÜF noch nicht dran, sonst wäre dieser Spaß sicher verboten. Und einige Minuten Chorkonzert in der Schönfelder Kirche konnte ich mithören. Hatte ich schon einmal erzählt, dass mich der ländliche Charm des Hochlandes sehr anzieht? Als Besucher wohlgemerkt, nicht als Einwohner, da bin ich zu sehr Städter. Aber die gegenseitigen gepflegten Abneigungen zwischen der Kernstadt und dem Hochland kann ich nicht verstehen.

 

 

 

 

 

12. 09. 2013

12. September 2013  Tagebuch

Heute findet eine Podiumsdiskussion im Romain-Rolland-Gymnasium statt. Eigentlich, denn sie ist per Mail und mit großem Eifer der Politfabrik in die Dreikönigskirche verlegt worden. !3 Uhr, wer noch vorbeikommen will. Die zweite echte Podiumsdikussion, der Wahlkampf tobt hurrikanesk. Ich hab immer noch so etwas wie schlechtes Gewissen, weil alle anderen bei Facebook eifrig ihre Aktivitäten melden. Also nicht alle anderen, SPD und Grüne konkret. Immer wenn es draußen noch dunkel ist und man sich die Decke über die Ohren ziehen möchte, (Hört, liebe Wählerinnen und Wähler: Ich bin einer von euch. Ich schlafe gern aus!) melden die Kolleginnen und Kollegen dieser beiden traditionellen Frühaufsteherparteien, sie würden jetzt Tütchen mit allerlei Krimskrams an Menschen frühverteilen. Was werden sich die Leute freuen!

Wahrscheinlich weiß ich so etwas nur von SPD und Grünen, und die CDU macht es in Wahrheit ähnlich, aber ich habe nur wenige und offenbar vernünftige CDU-Facebookfreunde und kenne daher nichts über deren Wahlkampfaktivitäten.

Ich glaube, ich bin als Kandidat total wichtig. So haben mich auch große Wirtschaftsverbände in ihre Verteiler aufgenommen und senden mir nun bunte Broschüren, um mir ihre Wünsche mitzuteilen. Die Autoindustrie zum Beispiel oder die Stahlindustrie. Und die Gewerkschaft auch. Michael Sommer, DGB-Vorsitzender, hat mir einen Brief mit „Lieber Tilo“ in der Anrede geschrieben. Dabei sind wir weder in der selben Partei noch bin ich Gewerkschaftsmitglied. Ich bin ja da nicht so eng, eigentlich. Und darf ihn jetzt Michael nennen, wenn ich ihn mal persönlich treffe.

Das Duzen ist ja überhaupt groß in Mode, auch dort, wo ich garnicht geduzt werden möchte. Ich sage zu Bürgerinnen und Bürgern zuerst einmal höflich Sie. Und Du?

Oder die Einbeziehungsmacke: Das WIR entscheidet, deswegen sind wir gemeinsam für Deutschland unterwegs. Nicht mit mir, denken sich LINKE-Wählerin und LINKE-Wähler und verweisen auf die einfache und immer noch richtige Logik: Parteien sind, so sagt das Wort, Teile des Ganzen. Wo Parteien fürs Ganze stehen wollen winkt ein diktatorischer Anspruch hinter der Gardine hervor. Oder eine Lüge. Oder beides.

Ganz besondere Post fand sich vor einigen Tagen in meinem Briefkasten: Gleich drei von der selben Adresse. Wegen des vielen Portos (jeder Brief war fein säuberlich mit einer Briefmarke beklebt und offenbar gingen diese Briefe auch an alle anderen Direktkandidaten) scheinen sich diese ehrwürdigen Vereine keine eigenen Büros leisten zu können und nutzen die Synergie demokratisch scheinender Aktivitäten. Hier dokumentiert die Briefe, jeweils die Vorder- und Rückseite:

Initiative Familienschutz vorn / hinten

Zivile Koalition vorn / hinten

Bürgerrecht Direkte Demokratie vorn / hinten

Ich hab noch nicht geantwortet. Und ich habs auch nicht vor.

 

 

04.09.2013

05. September 2013  Tagebuch

Gestern war der Dresden-Fernsehen-Tag. Alle Dresdner Direktkandidatinnen und Direktkandidaten (vermutlich nur die der größeren Parteien, aber das weiß ich nicht genau) wurden eingeladen, um in wenigen Minuten zu 5 Fragen Stellung zu nehmen. Nacheinander an unterschiedlichen Tagen allerdings. Wenn man das andauernd tun muss ist die zugeordnete Hirnregion besser durchblutet und funktioniert wie von selbst. Mir passiert so etwas aber nicht so oft, und so war ich hinreichend aufgeregt. Außerdem hab ich auf dem Weg zum Fernsehstudio mein tägliches Soll an der Zehntausend-Schritte-Aktion absolviert und war also, sagen wir mal, aufgewühlt. Franziska Wöllner hat mir am Rande meines dennoch grandiosen Auftrittes eine Menge nette Dinge gesagt, vermutlich aber auch den anderen Kandidatinnen und Kandidaten.

Der Beitrag soll wohl ab Donnerstag vor der Wahl gesendet werden.

Am Morgen bin ich einer Kollegin aus dem Umfeld der Jugendhilfe in Dresden begegnet. Wir haben etwas geplaudert, und am Ende sind wir unweigerlich beim Doppelplakat mit Katja Kipping und mir angekommen. Und da sagt sie doch tatsächlich folgendes: „Du siehst da ganz gut aus. Warste vorher in der Maske?“ Also wirklich! So etwas könnte das Ende einer wunderbaren Freundschaft sein.Ich war mindestens zwei Sekunden sprachlos, und dann haben wir schnell über die Auswirkungen des Bundeskinderschutzgesetzes auf die tägliche Arbeit der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in betreuten Wohngruppen abhängig vom Alter der betreuten Kinder gesprochen.

Aus den anderen Direktwahlkreisen treffen jetzt nach und nach die Bilder der Kochshow ein. Damit bin ich ein wenig vorbereitet auf das, was mir da bevorsteht und stelle erschrocken fest, dass die anderen Kandidaten sich alle an der Essenzubereitung beteiligen. Dabei ist Kochen doch Facharbeit und sollte nicht von mir dilletiert werden. Ich muss mal sehen, ob ich mich vorm Messerschwingen noch drücken kann. Ich könnte beim Abwasch helfen? Und falls Falk aus Bretnig-Hauswalde hier mitliest, sei er gefragt: dein Freund, der beim Wahlkampfauftakt dabei war, der war doch Koch? Kann der nicht mit hinkommen? Am 13. 09. bin ich in Radeberg dran!

 

 

02. 09. 2013

03. September 2013  Tagebuch

medingenNun kenne ich also Medingen. Und Ottendorf-Okrilla, jedenfalls den Friedhofsmeister. In Medingen aber kenne ich nun viel mehr. Den Gasthof, der hat eine Bowlingbahn, den Kegelclub, den Goldenen Born, das Schloss, die Schule, das Vereinshaus, den Jugendclub, riesige Saftbehälter vor der Kelterei OESE.

Während wir durch den Ort geführt wurden bremste ein schickes Auto ganz scharf, und der Fahrer schaute heraus und wünschte viel Glück. Das macht Mut und hat mich wirklich sehr gefreut.

Aber auch eine Menge anderer kleiner Erlebnisse sind sehr schön.So trugen wir am Freitag Materialien für den Bürgerentscheid in die Haushalte in Gorbitz und der näheren Umgebung. Plötzlich lief eine junge Frau hinter uns her, die meine LINKE-Tragetasche gesehen hatte und sagte, sie wohne zwar nicht hier in der Straße, wolle aber trotzdem das Material von uns haben. Glücklicherweise hatte ich reichlich dabei…

Der Wahlkampf am Wochenende war kurzzeitig unterbrochen. Oder sagen wir besser: transformiert. Angesichts zweier Umfragen, die uns bei 10% sehen und damit nah an der Erfüllung der Gysi-Aufgabe, zweistellig zu werden, haben wir uns zu einem Landesparteitag zurückgezogen. Dort ging es um die Neuwahl unseres Landesvorstandes, hier freue ich mich besonders für die gewählten Genossinnen und Genossen aus dem Stadtverband Dresden, und um wirtschaftspolitische Leitlinien.Mit denen haben wir jetzt unsere Kompetenz unter Beweis gestellt. Das Wirtschaftsministerium ist unser! Das ist jetzt so sicher wie rotrotgrün nach der nächsten Landtagswahl.

Mit zwei Menschen aus meinem weiteren und politisch nicht so stark eingebundenen Bekanntenkreis habe ich etwas übers Wählen geredet. Da ich ja nun als Kandidat erkennbar bin hatten sie durchaus Interesse zu reden und sich zu erklären. Die eine meinte, LINKE, das seien doch die sozialen und die Grünen halt dafür, dass viele Bäume und Sträucher in der Stadt wüchsen, die andere meinte, sie wähle für den Bundestag immer LINKE und für die Stadt immer grün, und auf meine Frage warum sagte sie, die seien doch mehr so für Radwege. Guuuut, ja, aber immerhin: sie haben nicht den Wahlomaten bedient.

Zu berichten ist noch mein erstes (und möglicherweise auch einziges) direktes Zusammentreffen mit Kollegen Vaatz. Das fand auf einer Podiumsdiskussion zu migrationspolitischen Fragen statt. Ein leutseliger Mann ist er. Ich hab ihm meinen Standardscherz („länger im Amt als Honecker“) vorgetragen, und er entdeckte recht schnell, dass ich auch schon eine ganze Weile Stadtratsmitglied bin. Ich hab ihm vorgeschlagen zu tauschen. Er schützte vor, dass gefiele sicher nicht allen in seiner Stadtratsfraktion.

Ansonsten hab ich im Vorgeplänkel dieser Diskussionsrunde meinen Freund und Gegenkandidaten, den Grünen Stephan Kühn, einen Kriegstreiber genannt. Er meinte, diesen Vorwurf habe er ja nun schon sehr lange nicht mehr gehört. Das aber war vor dieser Wortmeldung. Also, Stephan: hol schon mal das olivgrüne Shirt raus. Denn wenn es im Bundestag zur Frage eines Einsatzes in Syrien zur Sache geht werdet ihr doch sicher wieder als verlässliche Garanten einer starken deutschen InteressenMenschenrechtspolitik parat stehen.

 

 

26. 08. 2013

27. August 2013  Tagebuch

Ein anstrengend-schönes Wochenende beim Hechtfest, eine wunderbare Grundeinkommensveranstaltung, ein Besuch griechischer Genossinnen und Genossen und einige Fragen. Also: los gehts!

Auf dem Hechtfest hatte die Linksjugend einen Stand aufgebaut und ganz hervorragend organisiert. Rund um die Uhr waren Helferinnen und Helfer anwesend, es war ausreichend Material da, der zugeteilte Platz war wunderbar, die Popcornmaschine, deren spezifischer Zweck für einen Infostand sich mir bisher kaum erschloss, konnte hier ihre ganze Stärke ausspielen. Viele Menschen kamen unbefangen an den Stand heran, ein großer Teil wegen unserer Petition gegen die Hafencity, andere wegen des Bürgerbegehrens für kommunale Wohnungen, und so viele nette Gespräche hatte ich schon lange nicht mehr. Mein Gute-Laune-Vorrat ist nun hoffentlich wieder aufgefüllt und reicht bis zur Wahl.

Gestern Abend fand im Kabarett „Breschke und Schuch“ die lange vorbereitete Veranstaltung „Kulturschock Grundeinkommen“ statt. Das Kabarett war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Notbestuhlung wurde hervorgezaubert, der Hausherr selbst bestritt den ersten Teil der Veranstaltung, und ich habe etwas erlebt, was ich lange nicht mehr gesehen habe: die Leute im Publikum fingen an miteinander zu diskutieren. Ich weiß nicht, wie viele davon schon bisher zu Gruppen gehörten, die sich der Grundeinkommensthematik widmeten. Aber eine Erkenntnis bleibt: als LINKE sollten wir weiter dran bleiben und Foren für solche Diskussionen bieten. Zu kontroversen Themen, an spannenden Orten.

Für ein paar Tage sind im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Genossinnen und Genossen aus Griechenland zu Besuch. Sie sind, trotz oder vielleicht auch wegen der Lage in ihrem Land an der deutschen Kommunalpolitik interessiert. Sie versuchen zu verstehen, wie die Kommunalpolitik in einem Land funktioniert, durch dessen Einwirkung ihre Möglichkeiten kommunaler Politik fast vollständig zerstört wurden. Denn die Folgen der Sparpolitik sind auch (und vielleicht sogar vorrangig) in der Vernichtung der staatlichen Strukturen zu erleben, die sich einer Sparpolitik entgegenstellen würden. Und das sind naturgemäß die Kommunen und ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter.

Ein Genosse trug gestern ein Problem an mich heran: Angesichts des oben eingefügten Bildes gebe es in seinem Freundeskreis die Auffassung, der Wahlkampf müsse mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. Aber klar, ich gebe ihm Recht. Für die, die den Kontakt zur LINKEN nur und ausschließlich über meinen Wahlblog und meine Facebookseite haben sei gesagt: Es gibt da noch andere Möglichkeiten. Ca. 100.000 Seiten, in denen sinnvollerweise (Die Seite der Bundespartei zum Beispiel) oder in mehr oder weniger schlechter Wiederholung unsere Themen in aller Ernsthaftigkeit dargestellt werden. Ich jedenfalls will gern sagen, was ich denke, aber nicht, wenn es schon gut und vollständig von anderen gesagt wurde. Dann fängt man nämlich schnell an die Menschen zu nerven. Und ich will gern tun was ich sage. Bei meinen begrenzten persönlichen Kräften sollte ich also auch nicht zu viel sagen.

22.08.2013

22. August 2013  Tagebuch

So. Nun schaue ich also in der ganzen Stadt auf die Bürgerinnen und Bürger herab. Ich bin auch ganz froh, keinen so albernen Slogan zu haben wie mein ansonsten natürlich ausserordentlich verehrter Kollege Vaatz von der CDU. Bei dem steht „Sagt, was er denkt. Tut, was er sagt!“ auf den Großflächenplakaten. Und die Vorbeikommenden, sofern sie Lebenszeit für das Studium dieser Selbstbeschreibung aufwenden, denken unwillkürlich: „Aha. Ähm… nichts?“

Alle, von denen bekannt ist, dass sie mich kennen, berichten über Reaktionen. Der hat doch sonst keinen Schlips, sagt man ihnen. Nein, natürlich nicht! Meine A-Garnitur ziehe ich ja sonst nur an, wenn ich die Bürgerlichen in ihrem Revier necken kann. Und das ist nicht sehr oft.

Ansonsten wird mein Terminkalender nun deutlich dichter. Es ist kaum noch möglich, so locker nebenbei ein Tagebuch zu führen. Nun, wenn man für den Wahlkampf vollkommen freigestellt wäre und dazu noch einen gut organisierten Stab eifriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte, das wäre grandios. Aber es gibt ja eben noch die Alltagsarbeit, und alle, die gesund und munter und mit freier Zeit gesegnet sind, widmen ihre Kraft im Moment dem aufhängen, wieder aufhängen, richten und reparieren von Plakaten.

Ein wenig freue ich mich auf den Kandidatentalk von Dresden-Fernsehen. Der wird mit allen Kandidatinnen und Kandidaten jeweils einzeln aufgezeichnet. Ein indirekter Vergleich sozusagen. Und ich freue mich, mindestens genauso sehr, auf den Besuch im Mehrgenerationenzentrum Radeberg, denn diese Einladung klingt nach interessierten Menschen und freundlichen Gesprächen.

Sehr ärgerlich war eine Mitteilung einer Bürgerin heute morgen in der Geschäftsstelle des Stadtverbandes: Neben frisch aufgehängten Naziplakaten lagen über 30 unserer Plakate zerstört auf dem Erdboden. Natürlich haben wir Strafanzeige erstattet. Und es ist auch klar, dass wir im besonderen Fokus der Nazis stehen: Ihre Politik will die Schwachen in der Gesellschaft aufeinander hetzen, unsere Politik will die Schwachen stärken. Haben wir Erfolg, wird der Nazi von der politischen Bildfläche verschwinden. Aber trotzdem ist es unangenehm, wenn die Mühe der Plakatierteams am Ende verschwendet war.

Was etwas nervt sind die Superangebote, man könne sich jetzt endlich endlich endlich auf einem ganz tollen Internetportal mit klasse Möglichkeiten als Kandidat darstellen und die Wählerinnen und Wähler könnten sich dann mit Hilfe genau dieses Portals nun aber eine ganz genaue Meinung bilden, wen sie wählen würden. Aktuell war es dieses hier. Warum bitte können alle diese Menschen nicht drei Monate eher vorsprechen, damit die Menschen auch genügend Zeit haben, sich dort umzusehen?

Da muss man halt durch, als Kandidat, werden Sie als geneigte Leserinnen und Leser sagen. Aber ich finde alle diese scheinbar demokratischen Hinweisdienstleistungen, trotzdem sie ja gut gemeint sein mögen, etwas verdummend. Denn die Politik besteht ja in der Beeinflussung der Entwicklung unserer Gesellschaft in eine Richtung, die der eigenen Wählerschaft zu Gute kommt. Dabei muss die Meinung einzelner Menschen zu konkreten Fragestellungen mit der des Vertreters oder der Vertreterin durchaus nicht übereinstimmen: Parteien und ihre Protagonisten haben ja auch eine politische Bildungsfunktion und sollen über die von ihnen erarbeiteten Haltungen zu konkreten Fragen auch auf Bürgerinnen und Bürger einwirken. Die Schlussfolgerung „Weil die Partei meines Vertrauens zu diesem Problem eine bestimmte Haltung hat denke ich darüber nach und übernehme diese Haltung“ ist mindestens genau so notwendig und richtig wie die Schlussfolgerung „Weil diese Partei zu diesem Problem eine andere Haltung hat als ich wähle ich sie nicht.“ Parteien sind ja keine Firmen im Wettbewerb, die die wohlschmeckendsten und gefälligsten Lösungsvorschläge zum Verkauf auf dem Markt anbieten, auch wenn die neoliberale entdemokratisierende Wettbewerbsideologie dass nahe legt.

 

16. 08. 2013

17. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Es wäre wohl nicht angemessen gewesen, am Sterbetag Lothar Biskys hier im Wahlblog einen Eintrag zu veröffentlichen. Unser Wahlkampfgeschehen hat, mitfühlend, auch eine kleine Pause gemacht. Wir haben uns darauf beschränkt, noch einmal telefonisch mit einem großen Teil der Dresdner Genossinnen und Genossen Kontakt aufzunehmen und die heute ab Mitternacht beginnenden Plakatierungen vorzubereiten.

Das der Wahlkampf nun aber doch zunimmt kann man an den Schwindeleien erkennen, die beginnen. Die erste ist mir aufgefallen, als die Dresdner Neuesten Nachrichten für diesen Artikel anriefen. Die so: „Wie viele Plakate wollen sie aufhängen?“ Ich so: „Was haben die anderen Parteien gesagt?“ Die dann so: “ Die CDU 1000, die SPD 1100 je Wahlkreis, die Grünen 800…“. Ich: jetzt habe ich die Wahl, entweder ich lüge genauso schamlos oder ich mache eine allgemeine Aussage über unsere Pläne.“ das Ergebnis kann man ja lesen.

Schlimmer als diese kleine Schwindelei der Parteien über die Plakatezahlen, die ja von der Angst getrieben ist, zu hohe Zahlen kämen schlecht an, war die verlogene Petzerei des Dresdner FDP-Vorsitzenden Lohmeyer. Die schlug sich in allen Lokalzeitungen nieder, online hier auch bei der DNN. In seinem Ärger darüber, dass unsere (natürlich genehmigten) Großflächenplakate bereits stehen, hat Lohmeyer uns Regelverstöße vorgeworfen. Ich kann nur sagen: Bei uns ist keine Aufforderung der Stadt angekommen, irgendetwas zu entfernen. Aber Lohmeyer weiss: wirft man mit Dreck bleibt immer etwas hängen.

Pünktlich um Mitternacht haben hingegen unsere Teams angefangen in der Stadt Plakate anzubringen. An einem hab ich mich auch versucht, das Bild sieht man oben. Es ist das erste mal, dass mein Portrait in der Stadt und im Wahlkreis so häufig und lange zu sehen ist. Bestimmt werde ich jetzt ganz berühmt und alle Menschen mögen mich. Das Plakat auf dem Bild haben wir gegenüber in Sichtweite des Frida-Konsums auf der Tolkewitzer Straße angebracht. Dort geh ich immer mit Hans, meinem dreijährigen Sohn, nach dem Kindergarten einkaufen. Bananensaft, Obst, Leckereien für den Abend. Sicher bekomme ich da jetzt immer besondere Hinweise auf neue und spannende Produkte. Aber in punkto Prominenz konkurriert man in Blasewitz ja mit gefühlten 1000 anderen.

Der MDR hatte gestern das Bedürfnis, Katja Kipping am Infostand und beim Besuch der Ausstellung „MS Reichtum“ zu beobachten. Zur Vervollkommnung bin ich dort auch hinbeordert worden. Der Stand wurde über einer blassen Kreideschrift aufgebaut, von den Jusos stammend, die den Weg zur Gerechtigkeit wies. Bis zur Wahl haben Regen und Wind dies sicher beseitigt.

In der Ausstellung selbst war ich ja bereits und konnte so hilfreich auf besonders wertvolle Ausstellungsstücke verweisen. Wir trafen dort, zufällig, auf Dirk Syndram, der eben durch die Ausstellung geführt wurde.

Die Flut der Wahlprüfsteine nimmt gerade zu, vor allem habe ich die Übersicht verloren, weil sich einige garnicht bis zu meinem Posteingang verirren, sondern in der Landesgeschäftsstelle auflaufen und dann von dort mir allerlei Ausfüllhinweisen (Hat derunder schon beantwortet, ändert bitte nur Antwort 5) weitergeleitet werden. Die Sonntagsmuse wird mir helfen, dieses Problem zu lösen.

 

 

 

12. 08. 2013

13. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Immer mehr Menschen interessieren sich für mich. Heute war es meine Landesgeschäftsstelle, die mir mit der dringenden Bitte, auch die Erledigung zurückzumelden (Vertrauen ist gut, Kontrolle beim potentiellen Abgeordneten Kießling aber auch sinnvoll) diese Fragen zuschickte. Geneigte Konsumenten meiner Mitteilungen hier können so auch gleich meine angeklickten Antworten und meine Sternchenbewertung ahnen: beide Fragen bekamen ein Ja, die erste Frage 3 von 10 Sternen, die zweite Frage 7 von 10 Sternen. Wenn ich da was falsch eingetragen habe: sagts mir schnell! Noch ist der Link über meine Originalmail bearbeitbar!

Kaum hatte sich mein Zeigefinger von diesen 4 Klicks erholt war abgeordnetenwatch.de zur Stelle. Auch dieses leider etwas verschwiemelte Antwortkunstwerk sei hier zur Kenntnis gegeben.

Und, sogar an meine Privatadresse geschickt, wollte auch noch die Türkische Gemeinde Spannendes von mir wissen. Briefpost! Sehr gut! darauf ein Link! Und das Schöne: Ganz ungeschützt kann da jeder, der der Internetsuche mächtig ist, sich als Wahlkreiskandidat ausgeben und irgendetwas antworten. Ich gebe zu, es kann noch ein Überprüfungsvorgang stattfinden, aber es gibt keinen Hinweis darauf. Kommt aber nicht auf dumme Gedanken! Ich zumindest warte hier noch ein paar Tage. Vielleicht gibt es ja noch Ausfüllhinweise der Bundespartei.

Leider muss ich vom gestrigen Tag noch den Verlust von wahrscheinlich 4 Stimmen bekanntgeben: Ich war mit meiner Freundin im Fährgarten Johannstadt, um der Band Matteo zu lauschen. Nach einem schönen Spaziergang durch die Stadt, von der wirklich wunderbaren und empfehlenswerten Ausstellung „REICHTUM – MEHR ALS GENUG“ über das ebenso schöne Projekt „Gemeinschaftsgarten Dresden-Johannstadt“ hin zum Fährgarten gelaufen fanden wir auch einen Platz direkt vor der Bühne im Fährgarten. Die Rentnergruppe, direkt hinter uns, kommentierte den Soundcheck in all seinen Einzelheiten und leider sehr lautstark und sehr störend. Meinen Einwand, wir seien extra wegen dieser Band da und sie mögen doch das ganze nicht schlecht reden, immerhin könnten sie, wenn es ihnen nicht gefiele einfach gehen kommentierten sie recht ablehnend. „Wegen dieser Krachmusik?“ Ja. Genau wegen dieser Musik sind wir gekommen. Nun gut, aber wieder nach vorn und zur Bühne gedreht hörte ich hinter meinem Rücken etwas von „Großenhainer 93“, „Ich kenne die Leute“ und dergleichen. Ein wenig mache ich mir Sorgen: wenn ab dem Wochenende auch noch mein Bild in der Stadt plakatiert wird, kann ich dann meinem Ärger noch Luft machen oder bin ich nun auf Schritt und Tritt zu Lächeln, Freundlichkeit und falscher Rücksichtnahme gezwungen?

 

 

 

 

 

 

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