04.09.2013

05. September 2013  Tagebuch

Gestern war der Dresden-Fernsehen-Tag. Alle Dresdner Direktkandidatinnen und Direktkandidaten (vermutlich nur die der größeren Parteien, aber das weiß ich nicht genau) wurden eingeladen, um in wenigen Minuten zu 5 Fragen Stellung zu nehmen. Nacheinander an unterschiedlichen Tagen allerdings. Wenn man das andauernd tun muss ist die zugeordnete Hirnregion besser durchblutet und funktioniert wie von selbst. Mir passiert so etwas aber nicht so oft, und so war ich hinreichend aufgeregt. Außerdem hab ich auf dem Weg zum Fernsehstudio mein tägliches Soll an der Zehntausend-Schritte-Aktion absolviert und war also, sagen wir mal, aufgewühlt. Franziska Wöllner hat mir am Rande meines dennoch grandiosen Auftrittes eine Menge nette Dinge gesagt, vermutlich aber auch den anderen Kandidatinnen und Kandidaten.

Der Beitrag soll wohl ab Donnerstag vor der Wahl gesendet werden.

Am Morgen bin ich einer Kollegin aus dem Umfeld der Jugendhilfe in Dresden begegnet. Wir haben etwas geplaudert, und am Ende sind wir unweigerlich beim Doppelplakat mit Katja Kipping und mir angekommen. Und da sagt sie doch tatsächlich folgendes: „Du siehst da ganz gut aus. Warste vorher in der Maske?“ Also wirklich! So etwas könnte das Ende einer wunderbaren Freundschaft sein.Ich war mindestens zwei Sekunden sprachlos, und dann haben wir schnell über die Auswirkungen des Bundeskinderschutzgesetzes auf die tägliche Arbeit der Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in betreuten Wohngruppen abhängig vom Alter der betreuten Kinder gesprochen.

Aus den anderen Direktwahlkreisen treffen jetzt nach und nach die Bilder der Kochshow ein. Damit bin ich ein wenig vorbereitet auf das, was mir da bevorsteht und stelle erschrocken fest, dass die anderen Kandidaten sich alle an der Essenzubereitung beteiligen. Dabei ist Kochen doch Facharbeit und sollte nicht von mir dilletiert werden. Ich muss mal sehen, ob ich mich vorm Messerschwingen noch drücken kann. Ich könnte beim Abwasch helfen? Und falls Falk aus Bretnig-Hauswalde hier mitliest, sei er gefragt: dein Freund, der beim Wahlkampfauftakt dabei war, der war doch Koch? Kann der nicht mit hinkommen? Am 13. 09. bin ich in Radeberg dran!

 

 

02. 09. 2013

03. September 2013  Tagebuch

medingenNun kenne ich also Medingen. Und Ottendorf-Okrilla, jedenfalls den Friedhofsmeister. In Medingen aber kenne ich nun viel mehr. Den Gasthof, der hat eine Bowlingbahn, den Kegelclub, den Goldenen Born, das Schloss, die Schule, das Vereinshaus, den Jugendclub, riesige Saftbehälter vor der Kelterei OESE.

Während wir durch den Ort geführt wurden bremste ein schickes Auto ganz scharf, und der Fahrer schaute heraus und wünschte viel Glück. Das macht Mut und hat mich wirklich sehr gefreut.

Aber auch eine Menge anderer kleiner Erlebnisse sind sehr schön.So trugen wir am Freitag Materialien für den Bürgerentscheid in die Haushalte in Gorbitz und der näheren Umgebung. Plötzlich lief eine junge Frau hinter uns her, die meine LINKE-Tragetasche gesehen hatte und sagte, sie wohne zwar nicht hier in der Straße, wolle aber trotzdem das Material von uns haben. Glücklicherweise hatte ich reichlich dabei…

Der Wahlkampf am Wochenende war kurzzeitig unterbrochen. Oder sagen wir besser: transformiert. Angesichts zweier Umfragen, die uns bei 10% sehen und damit nah an der Erfüllung der Gysi-Aufgabe, zweistellig zu werden, haben wir uns zu einem Landesparteitag zurückgezogen. Dort ging es um die Neuwahl unseres Landesvorstandes, hier freue ich mich besonders für die gewählten Genossinnen und Genossen aus dem Stadtverband Dresden, und um wirtschaftspolitische Leitlinien.Mit denen haben wir jetzt unsere Kompetenz unter Beweis gestellt. Das Wirtschaftsministerium ist unser! Das ist jetzt so sicher wie rotrotgrün nach der nächsten Landtagswahl.

Mit zwei Menschen aus meinem weiteren und politisch nicht so stark eingebundenen Bekanntenkreis habe ich etwas übers Wählen geredet. Da ich ja nun als Kandidat erkennbar bin hatten sie durchaus Interesse zu reden und sich zu erklären. Die eine meinte, LINKE, das seien doch die sozialen und die Grünen halt dafür, dass viele Bäume und Sträucher in der Stadt wüchsen, die andere meinte, sie wähle für den Bundestag immer LINKE und für die Stadt immer grün, und auf meine Frage warum sagte sie, die seien doch mehr so für Radwege. Guuuut, ja, aber immerhin: sie haben nicht den Wahlomaten bedient.

Zu berichten ist noch mein erstes (und möglicherweise auch einziges) direktes Zusammentreffen mit Kollegen Vaatz. Das fand auf einer Podiumsdiskussion zu migrationspolitischen Fragen statt. Ein leutseliger Mann ist er. Ich hab ihm meinen Standardscherz („länger im Amt als Honecker“) vorgetragen, und er entdeckte recht schnell, dass ich auch schon eine ganze Weile Stadtratsmitglied bin. Ich hab ihm vorgeschlagen zu tauschen. Er schützte vor, dass gefiele sicher nicht allen in seiner Stadtratsfraktion.

Ansonsten hab ich im Vorgeplänkel dieser Diskussionsrunde meinen Freund und Gegenkandidaten, den Grünen Stephan Kühn, einen Kriegstreiber genannt. Er meinte, diesen Vorwurf habe er ja nun schon sehr lange nicht mehr gehört. Das aber war vor dieser Wortmeldung. Also, Stephan: hol schon mal das olivgrüne Shirt raus. Denn wenn es im Bundestag zur Frage eines Einsatzes in Syrien zur Sache geht werdet ihr doch sicher wieder als verlässliche Garanten einer starken deutschen InteressenMenschenrechtspolitik parat stehen.

 

 

26. 08. 2013

27. August 2013  Tagebuch

Ein anstrengend-schönes Wochenende beim Hechtfest, eine wunderbare Grundeinkommensveranstaltung, ein Besuch griechischer Genossinnen und Genossen und einige Fragen. Also: los gehts!

Auf dem Hechtfest hatte die Linksjugend einen Stand aufgebaut und ganz hervorragend organisiert. Rund um die Uhr waren Helferinnen und Helfer anwesend, es war ausreichend Material da, der zugeteilte Platz war wunderbar, die Popcornmaschine, deren spezifischer Zweck für einen Infostand sich mir bisher kaum erschloss, konnte hier ihre ganze Stärke ausspielen. Viele Menschen kamen unbefangen an den Stand heran, ein großer Teil wegen unserer Petition gegen die Hafencity, andere wegen des Bürgerbegehrens für kommunale Wohnungen, und so viele nette Gespräche hatte ich schon lange nicht mehr. Mein Gute-Laune-Vorrat ist nun hoffentlich wieder aufgefüllt und reicht bis zur Wahl.

Gestern Abend fand im Kabarett „Breschke und Schuch“ die lange vorbereitete Veranstaltung „Kulturschock Grundeinkommen“ statt. Das Kabarett war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Notbestuhlung wurde hervorgezaubert, der Hausherr selbst bestritt den ersten Teil der Veranstaltung, und ich habe etwas erlebt, was ich lange nicht mehr gesehen habe: die Leute im Publikum fingen an miteinander zu diskutieren. Ich weiß nicht, wie viele davon schon bisher zu Gruppen gehörten, die sich der Grundeinkommensthematik widmeten. Aber eine Erkenntnis bleibt: als LINKE sollten wir weiter dran bleiben und Foren für solche Diskussionen bieten. Zu kontroversen Themen, an spannenden Orten.

Für ein paar Tage sind im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Genossinnen und Genossen aus Griechenland zu Besuch. Sie sind, trotz oder vielleicht auch wegen der Lage in ihrem Land an der deutschen Kommunalpolitik interessiert. Sie versuchen zu verstehen, wie die Kommunalpolitik in einem Land funktioniert, durch dessen Einwirkung ihre Möglichkeiten kommunaler Politik fast vollständig zerstört wurden. Denn die Folgen der Sparpolitik sind auch (und vielleicht sogar vorrangig) in der Vernichtung der staatlichen Strukturen zu erleben, die sich einer Sparpolitik entgegenstellen würden. Und das sind naturgemäß die Kommunen und ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter.

Ein Genosse trug gestern ein Problem an mich heran: Angesichts des oben eingefügten Bildes gebe es in seinem Freundeskreis die Auffassung, der Wahlkampf müsse mit Ernsthaftigkeit betrieben werden. Aber klar, ich gebe ihm Recht. Für die, die den Kontakt zur LINKEN nur und ausschließlich über meinen Wahlblog und meine Facebookseite haben sei gesagt: Es gibt da noch andere Möglichkeiten. Ca. 100.000 Seiten, in denen sinnvollerweise (Die Seite der Bundespartei zum Beispiel) oder in mehr oder weniger schlechter Wiederholung unsere Themen in aller Ernsthaftigkeit dargestellt werden. Ich jedenfalls will gern sagen, was ich denke, aber nicht, wenn es schon gut und vollständig von anderen gesagt wurde. Dann fängt man nämlich schnell an die Menschen zu nerven. Und ich will gern tun was ich sage. Bei meinen begrenzten persönlichen Kräften sollte ich also auch nicht zu viel sagen.

22.08.2013

22. August 2013  Tagebuch

So. Nun schaue ich also in der ganzen Stadt auf die Bürgerinnen und Bürger herab. Ich bin auch ganz froh, keinen so albernen Slogan zu haben wie mein ansonsten natürlich ausserordentlich verehrter Kollege Vaatz von der CDU. Bei dem steht „Sagt, was er denkt. Tut, was er sagt!“ auf den Großflächenplakaten. Und die Vorbeikommenden, sofern sie Lebenszeit für das Studium dieser Selbstbeschreibung aufwenden, denken unwillkürlich: „Aha. Ähm… nichts?“

Alle, von denen bekannt ist, dass sie mich kennen, berichten über Reaktionen. Der hat doch sonst keinen Schlips, sagt man ihnen. Nein, natürlich nicht! Meine A-Garnitur ziehe ich ja sonst nur an, wenn ich die Bürgerlichen in ihrem Revier necken kann. Und das ist nicht sehr oft.

Ansonsten wird mein Terminkalender nun deutlich dichter. Es ist kaum noch möglich, so locker nebenbei ein Tagebuch zu führen. Nun, wenn man für den Wahlkampf vollkommen freigestellt wäre und dazu noch einen gut organisierten Stab eifriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte, das wäre grandios. Aber es gibt ja eben noch die Alltagsarbeit, und alle, die gesund und munter und mit freier Zeit gesegnet sind, widmen ihre Kraft im Moment dem aufhängen, wieder aufhängen, richten und reparieren von Plakaten.

Ein wenig freue ich mich auf den Kandidatentalk von Dresden-Fernsehen. Der wird mit allen Kandidatinnen und Kandidaten jeweils einzeln aufgezeichnet. Ein indirekter Vergleich sozusagen. Und ich freue mich, mindestens genauso sehr, auf den Besuch im Mehrgenerationenzentrum Radeberg, denn diese Einladung klingt nach interessierten Menschen und freundlichen Gesprächen.

Sehr ärgerlich war eine Mitteilung einer Bürgerin heute morgen in der Geschäftsstelle des Stadtverbandes: Neben frisch aufgehängten Naziplakaten lagen über 30 unserer Plakate zerstört auf dem Erdboden. Natürlich haben wir Strafanzeige erstattet. Und es ist auch klar, dass wir im besonderen Fokus der Nazis stehen: Ihre Politik will die Schwachen in der Gesellschaft aufeinander hetzen, unsere Politik will die Schwachen stärken. Haben wir Erfolg, wird der Nazi von der politischen Bildfläche verschwinden. Aber trotzdem ist es unangenehm, wenn die Mühe der Plakatierteams am Ende verschwendet war.

Was etwas nervt sind die Superangebote, man könne sich jetzt endlich endlich endlich auf einem ganz tollen Internetportal mit klasse Möglichkeiten als Kandidat darstellen und die Wählerinnen und Wähler könnten sich dann mit Hilfe genau dieses Portals nun aber eine ganz genaue Meinung bilden, wen sie wählen würden. Aktuell war es dieses hier. Warum bitte können alle diese Menschen nicht drei Monate eher vorsprechen, damit die Menschen auch genügend Zeit haben, sich dort umzusehen?

Da muss man halt durch, als Kandidat, werden Sie als geneigte Leserinnen und Leser sagen. Aber ich finde alle diese scheinbar demokratischen Hinweisdienstleistungen, trotzdem sie ja gut gemeint sein mögen, etwas verdummend. Denn die Politik besteht ja in der Beeinflussung der Entwicklung unserer Gesellschaft in eine Richtung, die der eigenen Wählerschaft zu Gute kommt. Dabei muss die Meinung einzelner Menschen zu konkreten Fragestellungen mit der des Vertreters oder der Vertreterin durchaus nicht übereinstimmen: Parteien und ihre Protagonisten haben ja auch eine politische Bildungsfunktion und sollen über die von ihnen erarbeiteten Haltungen zu konkreten Fragen auch auf Bürgerinnen und Bürger einwirken. Die Schlussfolgerung „Weil die Partei meines Vertrauens zu diesem Problem eine bestimmte Haltung hat denke ich darüber nach und übernehme diese Haltung“ ist mindestens genau so notwendig und richtig wie die Schlussfolgerung „Weil diese Partei zu diesem Problem eine andere Haltung hat als ich wähle ich sie nicht.“ Parteien sind ja keine Firmen im Wettbewerb, die die wohlschmeckendsten und gefälligsten Lösungsvorschläge zum Verkauf auf dem Markt anbieten, auch wenn die neoliberale entdemokratisierende Wettbewerbsideologie dass nahe legt.

 

16. 08. 2013

17. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Es wäre wohl nicht angemessen gewesen, am Sterbetag Lothar Biskys hier im Wahlblog einen Eintrag zu veröffentlichen. Unser Wahlkampfgeschehen hat, mitfühlend, auch eine kleine Pause gemacht. Wir haben uns darauf beschränkt, noch einmal telefonisch mit einem großen Teil der Dresdner Genossinnen und Genossen Kontakt aufzunehmen und die heute ab Mitternacht beginnenden Plakatierungen vorzubereiten.

Das der Wahlkampf nun aber doch zunimmt kann man an den Schwindeleien erkennen, die beginnen. Die erste ist mir aufgefallen, als die Dresdner Neuesten Nachrichten für diesen Artikel anriefen. Die so: „Wie viele Plakate wollen sie aufhängen?“ Ich so: „Was haben die anderen Parteien gesagt?“ Die dann so: “ Die CDU 1000, die SPD 1100 je Wahlkreis, die Grünen 800…“. Ich: jetzt habe ich die Wahl, entweder ich lüge genauso schamlos oder ich mache eine allgemeine Aussage über unsere Pläne.“ das Ergebnis kann man ja lesen.

Schlimmer als diese kleine Schwindelei der Parteien über die Plakatezahlen, die ja von der Angst getrieben ist, zu hohe Zahlen kämen schlecht an, war die verlogene Petzerei des Dresdner FDP-Vorsitzenden Lohmeyer. Die schlug sich in allen Lokalzeitungen nieder, online hier auch bei der DNN. In seinem Ärger darüber, dass unsere (natürlich genehmigten) Großflächenplakate bereits stehen, hat Lohmeyer uns Regelverstöße vorgeworfen. Ich kann nur sagen: Bei uns ist keine Aufforderung der Stadt angekommen, irgendetwas zu entfernen. Aber Lohmeyer weiss: wirft man mit Dreck bleibt immer etwas hängen.

Pünktlich um Mitternacht haben hingegen unsere Teams angefangen in der Stadt Plakate anzubringen. An einem hab ich mich auch versucht, das Bild sieht man oben. Es ist das erste mal, dass mein Portrait in der Stadt und im Wahlkreis so häufig und lange zu sehen ist. Bestimmt werde ich jetzt ganz berühmt und alle Menschen mögen mich. Das Plakat auf dem Bild haben wir gegenüber in Sichtweite des Frida-Konsums auf der Tolkewitzer Straße angebracht. Dort geh ich immer mit Hans, meinem dreijährigen Sohn, nach dem Kindergarten einkaufen. Bananensaft, Obst, Leckereien für den Abend. Sicher bekomme ich da jetzt immer besondere Hinweise auf neue und spannende Produkte. Aber in punkto Prominenz konkurriert man in Blasewitz ja mit gefühlten 1000 anderen.

Der MDR hatte gestern das Bedürfnis, Katja Kipping am Infostand und beim Besuch der Ausstellung „MS Reichtum“ zu beobachten. Zur Vervollkommnung bin ich dort auch hinbeordert worden. Der Stand wurde über einer blassen Kreideschrift aufgebaut, von den Jusos stammend, die den Weg zur Gerechtigkeit wies. Bis zur Wahl haben Regen und Wind dies sicher beseitigt.

In der Ausstellung selbst war ich ja bereits und konnte so hilfreich auf besonders wertvolle Ausstellungsstücke verweisen. Wir trafen dort, zufällig, auf Dirk Syndram, der eben durch die Ausstellung geführt wurde.

Die Flut der Wahlprüfsteine nimmt gerade zu, vor allem habe ich die Übersicht verloren, weil sich einige garnicht bis zu meinem Posteingang verirren, sondern in der Landesgeschäftsstelle auflaufen und dann von dort mir allerlei Ausfüllhinweisen (Hat derunder schon beantwortet, ändert bitte nur Antwort 5) weitergeleitet werden. Die Sonntagsmuse wird mir helfen, dieses Problem zu lösen.

 

 

 

12. 08. 2013

13. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Immer mehr Menschen interessieren sich für mich. Heute war es meine Landesgeschäftsstelle, die mir mit der dringenden Bitte, auch die Erledigung zurückzumelden (Vertrauen ist gut, Kontrolle beim potentiellen Abgeordneten Kießling aber auch sinnvoll) diese Fragen zuschickte. Geneigte Konsumenten meiner Mitteilungen hier können so auch gleich meine angeklickten Antworten und meine Sternchenbewertung ahnen: beide Fragen bekamen ein Ja, die erste Frage 3 von 10 Sternen, die zweite Frage 7 von 10 Sternen. Wenn ich da was falsch eingetragen habe: sagts mir schnell! Noch ist der Link über meine Originalmail bearbeitbar!

Kaum hatte sich mein Zeigefinger von diesen 4 Klicks erholt war abgeordnetenwatch.de zur Stelle. Auch dieses leider etwas verschwiemelte Antwortkunstwerk sei hier zur Kenntnis gegeben.

Und, sogar an meine Privatadresse geschickt, wollte auch noch die Türkische Gemeinde Spannendes von mir wissen. Briefpost! Sehr gut! darauf ein Link! Und das Schöne: Ganz ungeschützt kann da jeder, der der Internetsuche mächtig ist, sich als Wahlkreiskandidat ausgeben und irgendetwas antworten. Ich gebe zu, es kann noch ein Überprüfungsvorgang stattfinden, aber es gibt keinen Hinweis darauf. Kommt aber nicht auf dumme Gedanken! Ich zumindest warte hier noch ein paar Tage. Vielleicht gibt es ja noch Ausfüllhinweise der Bundespartei.

Leider muss ich vom gestrigen Tag noch den Verlust von wahrscheinlich 4 Stimmen bekanntgeben: Ich war mit meiner Freundin im Fährgarten Johannstadt, um der Band Matteo zu lauschen. Nach einem schönen Spaziergang durch die Stadt, von der wirklich wunderbaren und empfehlenswerten Ausstellung „REICHTUM – MEHR ALS GENUG“ über das ebenso schöne Projekt „Gemeinschaftsgarten Dresden-Johannstadt“ hin zum Fährgarten gelaufen fanden wir auch einen Platz direkt vor der Bühne im Fährgarten. Die Rentnergruppe, direkt hinter uns, kommentierte den Soundcheck in all seinen Einzelheiten und leider sehr lautstark und sehr störend. Meinen Einwand, wir seien extra wegen dieser Band da und sie mögen doch das ganze nicht schlecht reden, immerhin könnten sie, wenn es ihnen nicht gefiele einfach gehen kommentierten sie recht ablehnend. „Wegen dieser Krachmusik?“ Ja. Genau wegen dieser Musik sind wir gekommen. Nun gut, aber wieder nach vorn und zur Bühne gedreht hörte ich hinter meinem Rücken etwas von „Großenhainer 93“, „Ich kenne die Leute“ und dergleichen. Ein wenig mache ich mir Sorgen: wenn ab dem Wochenende auch noch mein Bild in der Stadt plakatiert wird, kann ich dann meinem Ärger noch Luft machen oder bin ich nun auf Schritt und Tritt zu Lächeln, Freundlichkeit und falscher Rücksichtnahme gezwungen?

 

 

 

 

 

 

10. 08. 2013

11. August 2013  Allgemein

Mein Bundesgeschäftsführer hat mir heute per Facebook mitgeteilt, das es noch 43 Tage bis zur Wahl sind. Der Genosse Höhn ist ein guter Mann und erinnert mich so täglich daran, dass ich um jede Stimme kämpfen muss. Sicherlich schaut er dabei auf den wunderbaren LINKE-Abreißkalender, der auch jedem Kreisverband zur Verfügung gestellt wurde und der ebenfalls bis zur Wahl die Tage rückwärts zählt. Ich kenne dieses Prinzip eigentlich nur von der NVA, wahrscheinlich wird es bei allen Wehrpflichtarmeen angewandt. Man schneidet die Tage als Zentimeterstücke von einem Maßband ab, um sich dem glücklichen Ereignis der Entlassung fühlbar zu nähern. Das Problem besteht nur darin: vom schönen relaxten Sommerwahlkampf für den Bundestag gehen wir ohne Übergang in den für die sächsische Kommunalwahl und die Europawahl. Also gleich mal ein zweites Maßband bereitlegen, nicht wahr. Aufgekeult sagten wir, wenn sich einer entschied länger zu dienen. Das Ansehen dieser Wehrpflichtaufstocker war nicht sehr hoch.

Aufmerksame Leserinnen und Leser meines Premiumwahlblogs werden erkannt haben: es ist eigentlich nichts passiert. Ausser drei Emails des fleissigsten Genossen unter 30, der sich kurz vor Mitternacht noch mit Parteiarbeit beschäftigt hat. Schapoh!

Deswegen will ich nur über mein Morgenärgernis mitteilen: Der Radiosender MDR Info interviewte heute morgen den SPD-Spitzenkandidaten Peer Steinbrück. Ich habe das hier als pdf-Datei verlinkt, nicht direkt beim MDR. Ich bin mir nicht sicher, wie lange so ein Link sonst aktuell wäre, nachdem die Privatmedienlobby die öffentlich-rechtlichen Sender in ihrer Internetarbeit so eklatant beschnitten hatte.

Der Ärger besteht nicht in den sehr allgemeinen und flachen Mitteilungen, die uns der berühmteste Sozialdemokrat der Gegenwart so macht, auch nicht im dümmlichen Geschwätz über die LINKE, das er absondert. Ein Beispiel sei trotzdem gestattet, und achten sie als aufmerksame Leserinnen und Leser bitte auf das WIR, das sonst bei den Sozen entscheidet, sich hier aber auf einmal anstrengen muss:

Sie werden gleich eine Wahlkampfveranstaltung der SPD

in Halle besuchen. Werden Sie den Ostdeutschen dort,

also praktisch dieses  Modell (Rot-Rot-Grüne Regierung, Anm. Kießling) ausreden?
„Nein, das spielt da weniger eine Rolle. Es spielt eine Rolle gleich in dieser

Veranstaltung, dass wir wie ich finde wahnsinnig stolz sein können, auf das

was gelungen ist seit der Wiedervereinigung, fast eine Generation danach.

Aber es spielt auch eine Rolle, dass wir weiter uns anstrengen müssen, denn

Ostdeutschland ist nach wie vor mit Blick auf die Löhne, die Einkommensentwicklung,

zweitens die Arbeitslosigkeit und drittens auch die Rentenentwicklung nach wie vor

nicht auf der Ebene, wie sie es eigentliche eine Generation nach der

Wiedervereinigung verdienen.“

Nein, mein eigentlicher Ärger bestand in der Anmoderation, die im Onlinetext nicht vorkommt. Frau Merkel, hiess es da sinngemäß, würde demnächst mit Wahlkampf beginnen, aber ihr Herausforderer Steinbrück sei schon voll dabei und nun hier beim MDR.

Ich finde es jedesmal sowas von daneben, wenn öffentlich-rechtliche Sendeanstalten, hier sogar noch der Nachrichtenkanal, vollkommen vorbei an der Verfassungswirklichkeit im Lande die vereinfachende Gegenüberstellung von Kanzlerin und Herausforderer bedienen. Weder Merkel noch Steinbrück können von den meisten Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden. Merkel kann wählen, wer in ihrem Wahlkreis 015 (Vorpommern-Rügen – Vorpommern-Greifswald I) wahlberechtigt ist als Direktkandidatin, oder indirekt über die CDU-Liste, wer in Mecklenburg-Vorpommern wahlberechtigt ist. Steinbrück kann wählen, wer im Wahlkreis 104 (Mettmann I) wahlberechtigt ist als Direktkandidat oder indirekt über die SPD-Liste, wer in Nordrhein-Westfalen wahlberechtigt ist.

Natürlich streben die beiden großen Parteien eine solche Dualisierung an, weil sie sich damit eine Stärkung erhoffen. Aber sie tun dies auf Kosten einer Zusammensetzung des Bundestages, die die Interessen der Bevölkerung korrekt widerspiegelt. Sie tun dies auch auf Kosten des Bundestages an sich, dessen Rolle im Verständnis derer minimiert wird, die meinen, sie würden am 22. 09. 2013 die Spitze der Regierung, also eines anderen Verfassungsorgans wählen. CDU und SPD nehmen diesen Flurschaden billigend in Kauf, und meine Rundfunkanstalt informiert nicht korrekt darüber, sondern spielt das böse Spiel brav, folgsam, vielleicht auch unwissend oder inkompetent mit.

09. 08. 2013

09. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Eigentlich bin ich ja ein großer Prokrastinator. Gestern hab ich das Prinzip durchbrochen und sofort die Strafe dafür erhalten:

Sehr geehrter Herr Kießling,

am Donnerstagabend, den 08. August 2013, haben wir Ihnen eine
Begrüߟungsmail für den Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de
geschickt. Dieser Kandidaten-Check sollte auf einem neuen, komplett
überarbeiteten System laufen. 

Leider mussten wir feststellen, dass das System nicht stabil läuft. Um
kein Risiko für die Durchführung des Kandidaten-Checks einzugehen,
müssen wir auf unser bewährtes System zurückwechseln. 

Wir möchten Sie deswegen bitten, ihre Positionen zum Kandidaten-Check
über das folgende Formular einzugeben:

Super gelaufen. Und gleichzeitig hat mir unsere Bundespartei voller Fleiß ein Komplettset mit Ausfüllungshilfestellungen zugeschickt. Danke!

Ich fühle mich auch gerade gut betreut, denn ich bekam heute einen Anruf vom Kandidierendenservice im Karl-Liebknecht-Haus, wie es mir geht und ob ich Hilfe brauche. Darüber habe ich mich wirklich gefreut!

Ansonsten haben wir weiter Teams auf Plakatierbezirke zugeteilt, damit dort nichts anbrennt. Und ich hoffe, viele beim Wahlkampfauftakt am 16. 08. ab 16 Uhr im Haus der Begegnung zu sehen. Bringt ein Auto, Freunde, gesunde Hände und viel Zeit mit, damit wir unsere Positionen in der Stadt gut sichtbar machen können!

Geärgert habe ich mich heute, jenseits des Bundestagswahlkampfes, über einen Vorstoß von Stadträtin Barbara Lässig (FDP) und meinem Mitkandidaten Stadtrat Thomas Blümel (SPD). Beide arbeiten ganz gut im Sportausschuss der Stadt zusammen und haben nun die Abwahl von Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU) gefordert. Zwar könnte man gut bei einem Glas Saft in der Sonne darüber spekulieren, ob das mit Lässigs enger Freundin OB Helma Orosz abgesprochen war oder ob die beiden nun doch nicht mehr so dicke sind. Aber wäre es Lässig und Blümel ernsthaft um eine Veränderung gegangen hätten sie sich zuerst um Mehrheiten bemühen müssen. So haben sie wohl nur ein kleines Mediengewitterchen im Sommerloch erzeugt. Konstruktive Politik geht aus meiner Sicht anders.

 

 

 

 

 

08. 08. 2013

09. August 2013  Allgemein, Tagebuch

Die Plakatierungsvorbereitungen laufen. Es könnte besser sein, und ich bin, sagen wir mal, hoffnungsvoll. Ansonsten tut sich nicht sehr viel. Sogar die Morgenpost, unsere Zeitung für lockere Wahrheiten, meldet eine Wahlkampfruhe in Sachsen.

Gemeldet ist eine Wahlprüfsteinanfrage des Apothekerverbandes mit jeweils einer den Kandidaten zugeordneten Kontaktapotheke. Meine soll in Großröhrsdorf sein. Google meldet mir zwei Apotheken in dieser Stadt; Die Stadt Apotheke und die Elefanten Apotheke. ich bin schon gespannt, welche ich besuchen darf. Ein Päckchen Ibu gegen Kopfschmerzen und eine Rolle Traubenzucker mit Fruchtgeschmack könnte ich ja beim Abliefern der Wahlprüfsteine-Antworten dann auch noch erwerben. Man muss immer praktisch denken.

Ausserdem werde ich jetzt so richtig berühmt, denn: abgeordnetenwatch.de hat den Kandidaten-Check eingeführt. Hier das Zitat aus der Email:

Bitte bearbeiten Sie die Thesen bis zum kommenden Sonntag. Nur so 
kann sichergestellt werden, dass Sie zum Projektstart 
(genauer Termin wird noch bekannt gegeben) auf 
abgeordnetenwatch.de und den folgenden Portalen dabei
sind:
- SPIEGEL ONLINE
- ZDF.de
- Welt.de
- Focus.de
- BILD.de
- taz.de
- RBB
- Handelsblatt Online
- RP Online
- Cicero Online
- Hamburger Abendblatt
- Berliner Morgenpost

Über unsere Medienpartner erreichen Sie zehntausende Menschen 
aus Ihrem Wahlkreis. Nutzen Sie die Möglichkeit, um die Wählerinnen 
und Wähler von ihren Positionen zu überzeugen!

Ich fand diesen Aufmarsch der Weltpresse bedeutend und habe flugs das entsprechende Formular ausgefüllt, sonst wären die zehntausende Menschen aus meinem Wahlkreis ja enttäuscht. Nun steht nur eine Frage: Wenn ich von der Einwohnerzahl meines Wahlkreises „zehntausende“, großzügig wie ich bin gleich mal 90.000 abziehe bleiben immer noch weit über 100.000 übrig. Wie nur kann ich die jetzt erreichen? Vielleicht über diesen Blog hier? Wer das jetzt liest muss ganz dringend bei dieser Aufgabe helfen!

Ach und ein Gruß noch an einen meiner Stammleser: Obwohl unser Wahlkreisinspektionsrundgang gestern doch lang und anstrengend war habe ich mir alle Hinweise und Erkenntnisse eingeprägt!

 

 

 

 

 

06. 08. 2013

07. August 2013  Tagebuch

Gleich am Morgen gab es ein Angebot. Dieses hier. Abgesehen davon, dass die genannten Ziele für Sachsen nicht meine sind, denn mindestens die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kindertageseinrichtungen hätte ich dazugenommen, finde ich das mit den Angeboten bedenklich. Wenn ich im  Geschäft ein Regal sehe mit einem großen Kauf-Mich-Schild darüber, auf den Waren einen „Preisgesenkt“- Button (Es muss ja kein LINKER Ministerpräsident sein) und am Eingang stand ein Schild „Auf alles reduzierte noch mal 20% Rabatt“, dann erkenne ich doch eines: da gibts Ladenhüter. Aus meiner Sicht steht das Angebot an SPD und Bündnis90/Die Grünen, bei Wahlergebnissen, die das ermöglichen, Koalitionsgespräche zu führen. Dort sollten wir klar machen dass die Positionen und Personal der LINKEN keine Ramschware sind sondern unerlässliches Zubehör für einen Richtungswechsel der Landespolitik. Mindestens würde aus meiner Sicht dazu gehören, die Agenda-2010-Folgen beständig über Bundesratsaktivitäten einzugrenzen.

Ich habe ansonsten einen Artikel über den Kreuzchor geschrieben und dort einen angemessenen Kostenbeitrag der Kirchen für diesen Chor angemahnt. Es wird Zeit, dass sich die evangelische Landeskirche für diesen Chor mehr als nur symbolisch verantwortlich zeigt.

Ausserdem ist mein Terminkalender um einen Termin reicher, weil ich Katja Kipping bei der Handwerkskammer zu deren Bundestagswahlveranstaltung vertreten muss. Immerhin ist mein Bruder ein Elektriker, ich bin sozusagen handwerkspolitischer Fachmann.

Auch wenns mit dem Bundestagswahlkampf nichts zu tun hat freue ich mich, dass die Petitionspostkarten zur Hafencity fertig sind und verteilt werden können. Dazu morgen mehr, denn jetzt bin ich nach einem abendlichen Wahlkreisrundgang sehr müde!

PS: Das Kandidatenprofil auf der Bundespartei-Homepage steht und sieht so aus.

 

 

 

 

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